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Was wäre, wenn Dein Kind nicht in die Schule gehen MÜSSTE?

Schaut Euch doch bitte erst das Video an, da ich mich in meinem Text darauf beziehe (↓)

Ich habe bewusst keinen komplexen Fachbericht gewählt 😉
Es geht mir hier nicht um eine „professionelle Freilerner/Homescooler“-Diskussion- da fehlt mir Wissen und Erfahrung, sondern darum, sich über dieses so spannende Thema einmal grundsätzlich auszutauschen.

Ich beschäftige mich schon eine Weile damit und bin super gespannt auf Eure Ansichten und vielleicht ja auch bereits Erfahrungen.

Die Reporterin bleibt am Ende kritisch und fragt: „Was es bedeutet, dass die Kinder der Familie aus der Doku nicht in die Schule gehen, und ob ihnen dadurch vielleicht später irgendetwas fehlen wird, dass werden nur sie selbst beurteilen können, wenn sie älter sind.“

Das stimmt wohl!

Ich sage aber dennoch: „Was es bedeutet seine Kindheit in Freiheit wirklich als Kind, statt als kleiner, terminkalendergesteuerter Erwachsener, unter Leistungsdruck und mit kaum Freizeit, zu leben, was es bedeutet, wenn glücklich sein mehr zählt, als der Satz des Pythagoras- das werden all die Schulkinder leider niemals erfahren. Schon gar nicht, wenn sie älter sind- dann ist es für’s Kindsein nämlich ein für allemal zu spät!“

Was beide aber ganz sicher lernen werden ist, dass am Ende ohnehin nur das hängenbleibt, was auch wirklich interessiert hat.

Wer studieren will, und dazu eben unbedingt ein bestimmter Abschluss nötig sein muss, der sollte diesen doch absolut unabhängig davon WIE er an sein Wissen gekommen ist, erwerben können, oder?
Wenn es denn wirklich um Wissen geht…
Warum muss der Abschluss, die Wissensprüfung, an einen bestimmten Weg des Erlernens gekoppelt sein?

Jedes Kind ist anders, wie soll da ein System, ein Weg, für Alle passen?
Was genau rechtfertigt all den Schmerz, den dieses System in so viele Familien trägt?
Was genau ist es wert, dass wir die Beziehung zu unserem Kind so dermaßen belasten?
Über Jahre!

Warum mache ich diesen Abschluss nicht ohnehin nur, wenn ich ihn brauche und auch im Zweifel erst dann, WANN ich soweit bin. Nicht Jeder kann oder will bereits mit 16, 17, 18 wissen, wohin sein Weg ihn führt. Deswegen aber prophylaktisch im Zweifel Jahre einer  Lebensphase vergeuden, in der ich aufgrund meiner persönlichen, individuellen Entwicklung eventuell gar nicht in der Lage bin, gewisse Dinge zu lernen.
Für etwas, was am Ende doch nicht von Wert ist?
Weil alle es so machen?
Machen müssen?
Weil ich sonst keine Chance habe, etwas zu werden, was ich vielleicht gar nicht sein will?
Und wenn ich es dann doch sein will, werde ich es eben später und spiele dann vielleicht nicht in der ersten Reihe mit- schlimm?
Was bedeutet erste Reihe?
Was bedeutet beruflicher Erfolg?
Wie mißt sich dieser überhaupt?
Monetär?
Ernsthaft jetzt?

Klar, es wäre sicherlich teilweise mühsamer und würde hohe Eigendisziplin erfordern, sich eigenständig, ohne vorgegebenes System von Außen darauf vorzubereiten.
Allerdings wäre das dafür ein Arbeiten, ein Lernen, entstanden aus einer freien Entscheidung heraus, die ein selbst gewähltes Ziel vor Augen hat.
Ist das nicht die einzig richtige und ohnehin wirklich langfristig erfolgreiche Motivation zu lernen?
Wirklich zu lernen und die Inhalte nicht bloß kurzfristig, oft nur für die nächste Klausur abzuspeichern?
Und gibt es nicht genug wissenschaftliche Studien, die genau das bestätigen?
Diese Freiheit ist am Ende meiner Meinung nach also jede Mühe wert.
Zudem müht man sich ohnehin ja auch gerne, bzw. zumindest lieber für Dinge, die man unbedingt will, richtig?
Bedeutet, dass auf ein eigenes Ziel hinzuarbeiten ungleich einfacher und freudebringender ist, als auf ein vorgegebenes und das dann gezwungenermaßen.
Zielführender.
Vorausgesetzt das Ziel ist Bildung (welche Jedem laut Grundgesetz zusteht!) und nicht  Anpassung und kostengünstige Massenabfertigung für am Ende ein Stück Papier, welches Fähigkeiten bescheinigt, als Zulassung für einen Weg, der einen Großteil dieser Fähigkeiten nicht ansatzweise benötigt…

Was sind hier die Prioritäten?
Und wer legt diese für MEIN Kind fest?
OHNE es zu kennen? (Das ist eigentlich mein Hauptpunkt bei dem Thema!)

Wer, wie wohl die Meisten übrigens nicht Astrophysik studieren will, der hätte durch den „Verlust“ von jahrelangem beispielsweise Chemie- oder Physikunterricht, der über das Grundwissen diesbezüglich, welches auch tatsächlich im Leben relevant und hilfreich ist, hinaus geht, eines der wertvollsten Güter unseres Daseins, nämlich Lebenszeit gewonnen.

Ich verstehe natürlich die Skepsis.
Die Angst, die viele Eltern davor haben, das eigene Kind könne eventuell Nachteile erfahren oder im schlimmsten Fall „nichts werden“, ist ein nachvollziehbares Argument.
Wenn ich Angst habe, ist es an mir mich zu entscheiden, wie ich damit umgehe.
Da beruhigen oft Information und Fakten, daher möchte ich gerne darauf hinweisen, dass es für beide Wege, Schule oder „irgendwie anders“, ausreichend lebende „Beweise“ gibt, dass man erfolgreich (oder auch eben nicht) sein kann.
Am Ende steht und fällt es immer mit der Kombination Mensch, seinen Begabungen, Neigungen und den sich ihm gebotenen Möglichkeiten.

Das größte Problem liegt meiner Meinung nach darin, wie man das Recht auf Bildung verlässlich absichert.
Ich sehe zwar nicht, dass Schule ihrer Bildungspflicht sondern vielmehr einer Anwesensheitpflicht aller Kinder für mindestens 9 Jahre nachkommt, aber unabhängig davon muss natürlich gesichert sein, dass jedes Kind die Möglichkeit des Lernens erhält.
Ich halte daher eine Kontrolle (wie auch immer diese dann konkret aussehen mag, sei mal dahingestellt…), im Gegensatz zu vielen „Schulsystem-Aussteigern“ gar nicht für so verkehrt. Weniger um verantwortungsbewusste, aktive Freilerner und Homescooler zu schikanieren, als einfach um Kinder davor zu schützen, dass ihnen aufgrund mangelnder Möglichkeiten seitens des familiären Umfeldes, ihr Recht auf Bildung vorenthalten wird.
Schule kann und sollte unbedingt weiterhin existieren, für alle, die das Angebot annehmen wollen, oder das Bildungsrecht ihrer Kinder eben nicht selbst sichern können oder möchten- wenngleich in jedem Fall eine mehr als enorme Überarbeitung des kompletten Schulsystems erforderlich ist.
Ich verweise da immer mehr als gern auf Richard David Precht, der es wunderbar auf den Punkt bringt:

„Der Verrat des Schulsystems an unseren Kindern“ (VIDEO!)

Es geht mir vor allem darum, dass wir Eltern grundsätzlich entscheiden dürfen sollten, wie unser Kind seine Kindheit verbringt, denn wir kennen es nun mal am besten.
Vorausgesetzt eben, dass den Kindern das Recht auf Bildung tatsächlich zugestanden bzw. die Wahrnehmung dieses Rechts ermöglicht wird.

In unzähligen anderen Ländern wird schon lange die Schulpflicht wirklich als Bildungspflicht ausgelegt. Bedeutet Homeschooling (Hausunterricht) ist erlaubt, teilweise üblich.

Aufschlussreicher Link dazu hier: Schulpflicht und Bildungsfreiheit in Europa

Hier beginnen jetzt die Sommerferien- 3 Monate haben wir auf der Insel- traumhaft.
Aktuell sind wir nach Erfahrungen auf staatlichen, privaten und freien Schulen in Deutschland auf einer internationalen Privatschule und einer mehr oder weniger „alternativen“ hier in Spanien.
Die Große hat bereits ihr Abitur an einem regulären Gymnasium in Berlin absolviert.
Mir ist also der komplette Weg nicht nur aus meiner eigenen Schulerfahrung gut bekannt…
Ich kenne, was Schule in Deutschland angeht, glaube ich mehr oder weniger „Alles“.

Kannee ist und bleibt kindergartenfrei.

Wir haben keine fixen Pläne, aber ich persönlich bin ganz und gar nicht ängstlich, und deshalb freue ich mich auf alles was kommt (oder auch nicht!).
Im erster Linie im Sinne MEINER Kinder, nicht der Gesellschaft!

Wie seht Ihr das?
Wie ist die aktuelle Schulsituation bei Euch?
Wie geht es Euch und Euren Kinder damit?
Was wünscht Ihr Euch?

Ich bin gespannt!

O*

 

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