Babys/Kleinkinder, Bedürfnisorientiert, Bindungsorientiert, Eltern, Familie, Must Read, Unerzogen
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Warum und wann Grenzen Freiheit sind

Ich habe gerade bei meiner @piepmadame, die einen schönen Beitrag auf Instagram zum Thema „Grenzen“ verfasst hat, spannende Kommentare gelesen.
GRENZEN- gerade unter uns AP’lern, Unerzogenen, Bindungsorientierten, und wie wir uns noch so nennen, offensichtlich ein irgendwie „ungemütliches“ Wort- zumindest für den ein oder anderen.

Ich verstehe die Ablehnung total, gehe absolut mit und verstehe aber auch den Zwiespalt.

Was brauchen unsere Kinder?
Grenzen und Regeln?
Rahmen und Sicherheit?
Oder doch lieber nichts, außer Freiheit und Liebe?
Puh, da kann man durchaus ins schwitzen kommen.
Besonders dann, wenn man, wie ganz sicher die meisten von uns,
nur das allerbeste will für sein Kind.

Ich finde es wichtig, dass man solch wichtige Begriffe ganz bewusst für sich definiert. Assoziationen sind sehr subjektiv.
Wichtig, dass ich meine verstehe und Worte finde, die ICH leben will. Begriffe, die für mich nicht stimmig sind verbanne. Aus meinem Wortschatz, nicht aus dem anderer.
Es zählt nicht das Wort, sondern der Inhalt.
Für mich meiner, für Dich Deiner!
Wenn wir wirklich miteinander sprechen möchten, müssen wir uns zuhören, nicht nur den Worten lauschen, sondern dem, was wir einander zu sagen versuchen.
Was meinst, nicht was sagst Du?
Wir nutzen die gleichen Worte, sagen aber nicht dasselbe.

Zunächst ist es wesentlich, wenn wir gegen oder für Grenzen argumentieren wollen, das zu definieren, was wir durch Grenzen bedroht (oder eben nicht) sehen- die Freiheit des Kindes.

„FREIHEIT (lateinisch libertas) wird in der Regel als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können.“
(Wiki)

Ich könnte an dieser Stelle ein Buch füllen, mit all den philosophischen, theologischen und auch rechtlichen Definition hierzu, von meiner ganz persönlichen mal ganz zu schweigen… Hier aber ist es, wie ich denke, absolut ausreichend, bei obiger, recht allgemeinen zu bleiben.

Bedeutet, ohne Möglichkeiten keine Freiheit. Es braucht Auswahl, um wählen zu können.

Freiheit bedeutet Entscheidung für oder gegen, bedeutet nicht „Es ist egal, mach, wie Du willst!“

So ist mir genau das wichtig- die ehrliche Wahlmöglichkeit zwischen wahrhaft vorhandenen(!) Optionen, derer es immer viele gibt. KEIN entweder oder!

Wer nicht wählen kann, weil er schlicht keine Vorgaben hat, wird sich niemals als frei empfinden können. Er ist verloren. Ohne Bedeutung für nix und niemand, weil ihm selbst nichts außer er selbst bedeutet.

Ohne Grenzen ist Freiheit schlicht nicht, was sie ist.

Zudem ist Autonomie ein wichtiges, aber nicht das einzige Bedürfnis von uns Menschen.
Wenn man Maslow nimmt, dessen Bedürfnispyramide für mich zwar nicht umfassend, aber als Grundgerüst wunderbar dient (Wer mag, schaut hier), wird klar- Selbstverwirklichung, das wonach wir alle, auch unsere Kinder streben, steht an der Spitze.

Da sich die einzelnen Bedürfnisstufen bedingen, die nächste immer erst erklommen werden kann und will, wenn die darunter liegende befriedigt ist, sind demnach unsere Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung und Wertschätzung maßgebend für den LETZTEN Schritt, der uns in ein wahrhaft erfülltes Leben führt- die Selbstverwirklichung.
Ich will mitnichten sagen, dass Freiheit nicht ein unabdingbarer Begleiter, immer und von Anfang an sein sollte, aber dennoch dazu anregen sich mit der Bedeutung dieses wirklich großen Wortes zu beschäftigen. Der Bedeutung und all den Formen, in denen sie ist und sein kann- nicht muss.

Gerade die Zugehörigkeit zur Gruppe ist ein existentieller Wunsch unserer Kinder- unmöglich ohne Einhaltung gewisser Regeln.
Wichtig hierbei nur, dass jeder Mensch aus genau diesem Bedürfnis heraus, von allein alles dafür tun wird, wenn er denn die Möglichkeit hat, Gruppe und Gemeinschaft zu erleben. Als GLEICHWERTIGER Teil von ihr, statt als kleine Randfigur. Genau das ist leider die Rolle, in die Kinder allzu oft gedrängt werden. Dazugehören sie erst, wenn sie groß sind, sind, wie sie unserer Meinung nach sein sollen und quasi unsere Aufnahmebedingungen erfüllen können.

Zwang und Dressur sind würde- und respektlos und negieren zudem die Tatsache, dass der Mensch all diese wunderbaren Fähigkeiten ohnehin in sich angelegt hat. Wir neigen dazu, unsere Kinder zu unfähigen Wesen zu degradieren, denen alles erstmal eingetrichtert werden müsste, weil sie von allein nicht drauf kämen. Dem ist nicht so! Unsere Kinder sind immer so kompetent, so fähig, wie es ihre Eltern sind und zulassen.

Kein Kind muss zu etwas gemacht werden, was es ohnehin bereits ist, von alleine wird.

So runtergebrochen ist es aber allein aufgrund der Tatsache, dass Kinder Bedürfnisse haben, von deren Erfüllung sie abhängig sind (wofür WIR zuständig sind!), unmöglich ohne Vorgaben zu leben.

Kinder wollen

frei
geliebt
UND
geborgen sein.

Wie geborgen fühle ich mich im Nichts?
Wie frei ist ein geliebtes Kind, welches diese Liebe braucht, abhängig davon, um zu gedeihen?
Deswegen für mich unerlässlich eine der Hauptfragen im Leben mit Kindern:

Wie definiere ich Freiheit?

Aufgrund meiner emotionalen Zuordnung gibt es bei uns Rahmen, persönliche Grenzen und durchaus auch wenige, aber dennoch Regeln, die sind, weil sie eben sind.
Knackpunkt- bei allem gilt, es ist flexibel, alles ändert, schmiegt sich an und bewegt sich.
Was nicht mehr passt, sich schlecht anfühlt, fällt weg.
Wir leben nunmal in DIESER Welt, nicht auf dem imaginären Ponyhof.
Vor allem leben wir nicht alleine.
Weil wir nicht allein leben WOLLEN.
Kein Leben in der Gruppe gelingt harmonisch ohne Regeln.
So idealistisch das klingen mag- utopisch.
Wir sind Menschen, Menschen brauchen Halt und Maßstäbe.
Wir sind kein Blatt im Wind.
Das Problem dabei, wir können denken und vergleichen gern.
„The gras is always greener on the other side“.
Deshalb wünschen wir uns manchmal Blatt zu sein,
wären wir es, wir bettelten nach Wurzeln.
Nur weil wir beides in uns tragen,
erscheint uns auch immer das jeweils andere erstrebenswert.
Das macht uns aus- den Menschen.
Verdammt und Glück zu gleich,
Zwitter der Freiheit und Gefangenschaft unserer eigenen Bedürfnisse zu sein.

Erst wenn ich das akzeptiere kann ich beides haben- frei sein, trotz all der naturgegebenen Vorgaben.
Trotz allem, was ich brauche.
So hilfreich zu verstehen, dass all das weniger Begrenzung als Hilfsmittel ist, mich nicht zu verlieren. Denn der Grad zwischen Freiheit und „Lost in space“ ist ein schmaler.
Das sehe ich ganz besonders auch für unsere Kinder.

Lass Dein Kind frei, aber lass es nicht verloren gehen!

Warum ich für mich verbal „Rahmen“ der „Grenze“ vorziehe, liegt natürlich an meinen Assoziationen:

Rahmen werden meist mit Liebe und sehr wählerisch ausgesucht. Sie sollen zu Bild und Umgebung passen, das Kunstwerk schützen. Dennoch soll es vollständig sichtbar sein, mit allem, was es ausmacht. Rahmen werden ab und an gewechselt, wenn beispielsweise die Wand neu gestrichen wird, und die Rahmenfarbe nicht mehr stimmig scheint.

Niemand hängt am Rahmen mehr, als am Bild.

Grenzen gelten oft für viele. Oft um die dahinter, statt davor zu schützen. Erstmal aufgebaut, darf sie niemand einreißen, nicht ohne weiteres, es braucht Erlaubnis von oben. Grenzen werden nicht mit Liebe ausgesucht sondern meist aus (imaginärer) Not oder auch Angst erschaffen. Grenzen lehnen ab, statt zum anlehnen einzuladen.

Grenzen trennen, der Rahmen schafft Fokussierung auf seinen Inhalt, verbindet den Betrachter mit dem, was er sieht, schafft Zugehörigkeit. Das Bild gehört zu uns!

Weil ich so fühle und denke, schmerzt mich die Aussage „Kinder brauchen Grenzen!“
Vor allem aber auch, weil es hierbei keine Frage danach sein sollte, was im speziellen Kinder benötigen. Es ist eine Grundsatzfrage nach dem, was der Mensch benötigt, was dem Menschen zusteht, was er braucht, um glücklich leben zu können.
Kinder sind Menschen!
Das kann man gar nicht explizit und oft genug sagen.

 

Es ist eine Haltungsfrage.
Eine Frage danach, wie ich mein Gegenüber betrachte.
Bewerte.

Wie sehe ich mein Kind?

In welcher Beziehung stehen wir zueinander.
Gleichwürdig oder hierarchisch?
Begegne ich ihm respektvoll auf Augenhöhe,
oder von oben herab, als der, der das sagen hat?
Und passt das zu meiner Moralvorstellung?
Zu meinem eigentlichen Menschenbild?
Ab wann greift das Recht auf Gleichheit aller Menschen?
Ab18 Jahren erst?

Grenzen zu setzen ist schlicht die Demonstration von Macht.

Es gibt Dinge, die für ein angenehmes Familienleben nötig sind- keine Frage- doch in einem wirklichen Miteinader ergeben sich die dafür nötigen Orientierungshilfen ganz von allein.

Einen liebevoll gestalteten Rahmen- mehr braucht es nicht!

Unstrittig:

Kinder, wie alle Menschen brauchen vor allem ihre eigenen Grenzen!

„Bis hierhin und nicht weiter!“- das steht jedem Menschen zu, zu sagen und ist zu akzeptieren.

Es geht am Ende, wie immer um Definitionen. Doch auch, wenn Du die Worte nicht empfindest, wie ich es tu, weil Du nicht ich bist und denkst, wie Du denkst- ich bin sehr froh, diese immer doch sehr schnell daher gesagten Begriffe, zu diskutieren.
Denn nur wenn wir uns auseinandersetzen mit dem, was wir SAGEN und was wir TUN, was beileibe nicht immer identisch ist, wissen wir tatsächlich erst, was wir da mit uns und unseren Kindern anstellen. Haben die Möglichkeit unser Handeln für uns zu bewerten und uns wirklich dafür oder dagegen zu entscheiden.
Und zwar dann mit gutem Grund, statt nur aus Prinzip dafür, weil das Wort so vertraut, oder dagegen, weil es in unserem Ohr oder Herzen böse klingt.

Unsere Kinder brauchen Sicherheit, Halt und Orientierung.

Wie wir alle!

ICH brauche Sicherheit, Halt und Orientierung.

Ich bin kein Blatt im Wind!

Mein Kind ist frei.
Wenn ich ihm aber keine Ausrichtung biete, wird es ein anderer tun.
Wir leben weder in der unberührten Natur noch einem luftleeren Raum.
Das Kind ist umgeben von Einflüssen, welch Chance, dass ich einer davon sein darf. BIN!
Elterliche Verantwortung bedeutet:

Ja, ich vertraue meinem Kind, nicht aber allem anderen.

Ich glaube an das Gute, bin aber weder blind noch übermütig.

Ich sehe es ungefähr so:
Das Leben ist die Welt.
Die Welt ist voller Wegweiser.
Es gibt Landkarten.
Ich habe eine True voll damit.
Wie gemein, diese vor meinem Kind geheim zu halten,
Straßenschilder umzudrehen und es einfach los irren zu lassen,
in der Annahme, es wird sich schon zurecht finden.
Das ist nicht frei, sondern allein.
Unsere Kinder wollen alles, aber ganz sicher nicht alleine sein.
Sie wollen MIT uns sein.
Wie wir sein.
Um sie selbst werden zu können.
Wie André Stern es über seinen Vater sagt, was die Eltern-Kind-Beziehung in meinen Augen und für mein Herz, so wunderbar auf den Punkt bringt:

„Er ist so sehr er, dass ich so sehr Lust darauf habe, ich zu sein!“

(André Stern)

Wenn wir uns aber nicht zeigen, woher soll diese Freude am sein kommen?
Ich gebe meinen Kindern alle Karten, die ich habe, weise sie auf Schilder hin, lese vor, was auf ihnen geschrieben steht. Besonders von denen, die (noch) viel zu weit oben hängen. Nicht von allen, denn manche gelten einfach nicht für uns, (noch) nicht für’s Kind. Wichtig dabei, dass es ein Hinweis bleibt, statt Aufforderung zu Gehorsam.
Dass man bei rot aber stehen bleiben MUSS.
Das sag‘ ich auch.
Weil es so ist und manches muss.

Grenzen sind da.

Regeln auch.
Mein Kind hat die Wahl.
Die Welt steht im offen.
Wir dürfen ihm nicht unsere Brille aufsetzen,
sondern müssen es die Welt durch seine Augen sehen lassen, statt durch unsere!
Ich tauche ein in seine Welt und spreche seine Sprache.

Wir gehen gemeinsam.

Aus meiner wird viele Jahre UNSERE Richtung.

Es geht so viele Jahre begeistert an meiner Seite, weil es das will und muss, auch ich das will und muss, weil es so ist- unsterblich verliebt ineinander.
So werden ihm ganz automatisch die Wege, die ich gehe, die es mit mir geht, wir gemeinsam gehen, immer die vertrauten bleiben.
Die, welche es mit verbundenen Augen immer wieder finden wird.
Genau wie den Weg nach Hause.

Prägung!

Das ist das Vertrauen dass ich habe.
Vorleben, mein Leben mit ihm teilen.
In der unerschütterlichen Gewissheit, dass das genügt.

Ich kann aus Erfahrung sagen, das macht Kinder mutig.
Mutig genug, irgendwann einfach mal doch nach links zu gehen, obwohl Mama immer rechts gegangen ist.
Doch mal bei orange noch über die Straße zu huschen.
Und vor allem auch, zu reisen- ihre eigene Lebensreise anzutreten.
Angstfrei, weil sie wissen- nach Hause finde ich immer.
Ganz ohne Schild und Karte.
Nach Hause geht es dem Herzen nach. Wenn ich will.
Da draussen weist ihnen ein Kompass, damals geeicht nach unseren Werten in all der Zeit, die wir mit ihnen hatten, den Weg.
DAS bedeutet für mich Eltern sein.

Ich zeige meinem Kind die Welt, die ich ihm zeigen KANN und MÖCHTE, oft pilgert es DARIN allein.

Den Rest entdeckt es später, in den vielen Jahren ohne mich.

Und wisst Ihr, wie unfassbar spannend es ist, wenn sie dann erwachsen sind und gelegentlich nach Hause kommen, ihren Reiseberichten zu lauschen?
Selbst das zu werden, was sie so lange waren.
Man selbst zum staunenden Kind an der Hand wird.
Mit großen Augen.
Neugierig und hungrig auf die Welt, von der einem da vorgeschwärmt wird.
Vom eigenen, jetzt nicht mehr kleinem Kind.
Immer noch Teil des Lebens des anderen.
Doch mittlerweile jeder für sich, trotzdem nicht alleine.
Und plötzlich schließt sich der Kreis.

Es geht um Verbindung.

Alles ist verbunden miteinander.
Alles bedingt sich.
Alles ist weil, für und wegen was anderem.
Das große Gesetz des Lebens.
Nur wer dem folgt, kann wirklich frei sein.

Frei aber nicht einsam.

Deshalb bindungsorientiert.

Weil die gute BEZIEHUNG alles ist, was zählt.
Ein Kind, dass von Anfang an diese positive Kraft der Bindung spürt, wird immer danach streben.

Nach Verbundenheit.
Schafft Sicherheit.
Schafft Freiheit zu sein!
Zu sein, wer man ist.

Immer auch ein Teil, dessen, was die Eltern waren.
So ist das.
Ausschlaggebend,
das WIR wissen, wer wir, wofür, warum sind!

Erst dann ist unser Kind, wie es ist,
weil wir sind, wie wir sind.
Gut,
weil es ist,
wie es ist.
Sein darf!

Verbindet Euch mit Eurem Kind.

Dann kommt so vieles ganz von allein.
Dann braucht es keine künstlichen Grenzen, Regeln und Rahmen.
Dann gibst Du Deinem Kind, was es braucht, weil Du es spürst.
Ihr einander spürt.
Das braucht wenig Worte.
Denn ganz egal, wie Du es nennen magst:

Es ist und bleibt LIEBE.


Was ist für Dich Deine Aufgabe, die Du Deinem Kind gegenüber erfüllen möchtest?

 

 

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