Von Vätern, Söhnen, heulenden Indianern und so…

Published by Olivia on

Ich habe gerade ein Video gesehen, welches mich echt berührt hat. Sowohl Vater und Sohn, aber auch der Konkurent. (Tennisspieler Mahut verliert gegen Roland Garros, kann seine Enttäuschung kaum verbergen. Sein Sohn läuft zu seinem Vater auf den Platz, umarmt und tröstet ihn. Selbst Garros bewegt diese Szene zu Tränen) 2 große und 1 kleiner unfassbar starker Mann♥️

Ein paar Gedanken dazu mag ich fix loswerden, denn es ist schon spannend, dass mich/uns derartige Szenen „unter Männern“ so bewegen.
(Vorab, es geht dabei nicht darum, dass „alle“ Männer usw.! Selbstverständlich gibt es auch andere, doch eine weit verbreitete stereotype Sichtweise diesbezüglich ist nun mal nicht zu verleugnen, weshalb sich aber bitte niemand nicht oder falsch gesehen fühlen möchte, weil er eben ganz und gar nicht „so“ agiert oder gar ist.)

Zu dem kurzen Video geht es HIER- lohnt sich weil wirklich ein wunderschöner Moment!

So wertvoll, wenn auch Männer sich öffentlich zugestehen, Gefühle nicht nur zu haben, sondern diese auch offen zu zeigen! Also nicht nur all jene wie bspw. Stolz oder vielleicht auch Ärger, sondern auch die „weicheren“, vermeintlich oder oft mit „Schwäche“ assoziierten. Angeblich eher „weiblichen“…
(In einer Zeit und Gesellschaft, in der leider noch immer sowohl Männern als auch Frauen bestimmte Eigenschaften nicht nur zu- oder abgesprochen, sondern auch als falsch oder zumindest hinsichtlich des Geschlechts als unangemessen gedeutet werden.)

Einmal mehr, wenn sie Väter sind. Nochmal mehr Väter von Söhnen (klar auch von Töchtern, aber darum geht es mir grade nicht😉), denen sie diesbezüglich als Vorbild dienen, denn diese haben so die Chance ebenfalls zu Männern, gar Vätern zu werden, die ihren Kindern diese Kompetenz weitergeben. Wobei es besser ausgedrückt wohl heißen sollte “nicht kaputt machen”. Denn Kinder egal welchen Geschlechts zeigen in der Regel zu Beginn komplett frei heraus und ungeniert ALL ihre Gefühle. Bis irgendwann wer (besonders gern bei kleinen Jungs😔) daher kommt und tönt “Stell Dich nicht so an”, “Du Heulsuse”, “Jungs heulen nicht, Du benimmst Dich wie ein Mädchen”, oder auch lediglich genervt die Augen verdreht bzw. stöhnt.

Ich habe schon von ‚angehenden‘ Papas gehört, die meinten, wenn sie einen Sohn bekämen, wäre ihr größter Alptraum, dass dieser eine Heulsuse, ein Weichei würde. Die umgedreht besonders stolz auf ihre erst 6,7,8 Jährigen sind, weil sie angeblich sonderlich tapfer, mutig, schmerzunempfindlich, eben jetzt schon total “männlich” (wtf) seien. Ganze Kerle halt (wtf2).

(Komplexe) Gefühle zu haben, sie zu zeigen, und gegenseitig darauf einzugehen ist eine exklusiv menschliche (ja, somit auch MÄNNliche!) Fähigkeit- sie einem Menschen (ja, auch (kleinem) MANN!) abzusprechen oder auch „nur“ als falsch oder eben nicht geschlechtspezifisch zu bewerten, ist zutiefst unmoralisch und mehr als respektlos.

Derartige (besonders elterliche) Sichtweisen und daraus resultierende Reaktionen degradieren Männer und Jungs im Grunde zu niederen Lebewesen. Zu quasi unvollständigen Menschen.

ALLE Menschen haben Gefühle, und es ist ihr verdammtes Recht diese zu zeigen zu leben und darin ernst genommen zu werden. Selbst wenn wir emotionales Verhalten unserer Kinder – ganz egal ob Söhne oder Töchter – zwar zulassen, es uns aber vor anderen bspw. peinlich ist, und wir den Drang haben, dieses zu rechtfertigen, macht es sicher Sinn bei uns selbst einmal liebevoll aber ganz genau hinzuFÜHELN, was unser Problem mit vor allem vermeintlich negativen Emotionen ist. Wer uns da wohl seinerzeit welchen Unsinn eingeredet hat. Wer uns beigebracht hat, dass wir lieb und brav und geliebt sind, wenn wir lächeln und fröhlich drein schauen. Wer uns gern um sich hatte, wenn wir ruhig waren und wiederum angestrengt seufzte oder gar schimpfte oder strafte, waren wir es nicht. Väter konkret, wann Papa, Opa oder Onkel ihnen anerkennend auf die Schulter klopften und wann eben nicht.

Ein “Sorry, mein Kind ist müde…” (Nö, bzw, ja vielleicht AUCH, doch in aller erster Linie ist es grade offensichtlich wütend…) ist meistens btw. weniger Erklärung für ein sich auf dem Boden wälzendes Kind, sondern häufig (wenn auch unbewusst aber dennoch!) nicht minder diskriminierend, wie ein “Sie hat ihre Tage…” oder “Er ist in der midlife crisis…” bei Erwachsenen, die sich eben nicht verhalten, wie die Allgemeinheit es für angemessen erachtet.

Auch ein freundlich klingendes „Nicht weinen, mein Schatz, ist doch alles gut“ ist viel weniger trösten, als der oft dringliche elterliche Wunsch, etwas an unserem Kind abzustellen, was UNS unwohl fühlen lässt. Dabei geht es also mehr um uns, als um das Kind, auch wenn wir es gern so drehen, als täte unser Kind uns schlicht leid, und wir wollten ja bloß, dass es glücklich ist. Nur wie soll es das, wenn es nicht sein darf, wie es eben ist. Nicht fühlen soll, was es fühlt? Nicht traurig sein darf, weil wir selbst es lieber lachend sehen?
Wenn es lernt, dass es mit seinen Gefühlen wiederum Gefühle in uns auslöst, mit denen WIR nicht umgehen können. Die WIR weder mögen geschweige denn zulassen wollen. Wir dem Kind also die Verantwortung für unsere Emotionswelt übertragen. Wo es doch mit der eigenen genug zu tun hätte…

Wir SIND zwar nicht unsere Gefühle, aber sie sind dennoch ein essentieller Teil von uns, der immens wichtig ist, weil er uns auf so vieles in uns hinweist. Uns hilft, uns kennen- und verstehen zu lernen.

Haben wir einen guten gesunden Zu- und Umgang zu unseren Emotionen, haben wir einen gut geeichten Kompass an der Hand, der uns immer wieder in UNSERE eigene Richtung führen kann. Aufmerksam machen kann auf das, was in uns Beachtung braucht und uns letztlich dabei hilft seelisch gesund zu bleiben. Dieser Kompass ist unerlässlich, um uns nicht zu verlieren und auch in der Welt die Orientierung zu behalten. Uns selbst Richtschnur zu sein und zu bleiben, anstatt das Glück und die Bedürfnisse anderer als Maßstab für unser Sein zu nehmen.

Das als Kind abtrainiert zu bekommen, nimmt uns die Chance in guter Verbindung mit uns selbst zu sein. Somit fehlt uns die Grundlage für ein wahrhaft glückliches, zufriedenes und erfülltes Leben. Und ist es nicht das, was wir unseren Kindern von Herzen wünschen?

All das nur, weil 3 Leute sich, ob des wütenden Kindes im Supermarkt, gestört fühlen könnten, oder Papa eben gefrustet ist, dass sein Sohn eben kein schmerzfreier Indianer (wie Papa damals sein sollte, deshalb auch wurde und alles andere nun ablehnen muss, weil er diesen Teil in sich selbst heute verneint nachdem er ihn seine komplette Kindheit erfolgreich bekämpft hat…), sondern lieber Puppenmama oder meinetwegen eben eine Heulsuse ist- so what?!

Lassen wir doch die Probleme von sowohl Papa (klar auch Mama, da bei Gelegenheit gerne auch ein paar Bsp. aus direkter eigener Erfahrung…) und auch den Kunden des Supermarktes dort wo sie hingehören- bei ihnen selbst und damit unsere Kinder sein und werden, wer und wie sie eben sind. Sein wollen.

Ohne ihnen mehr Steine in den Weg zu legen, als ganz natürlicherweise ohnehin schon (durchaus hilfreicherweise Weise) da liegen, auf dem Weg zu ihrem erwachsen ich.

Peinlich finde ich, wenn überhaupt, tatsächlich dazu sowieso eher Erwachsene, die sich lautstark über emotional ganz offensichtlich neben sich stehende Kinder aufregen. Ihre eigenen ERWACHSENEN Gefühle folglich nicht im Griff haben, und genau das wiederum bei wesentlich jüngeren Menschen anprangern…
Wie war das nochmal mit dem Splitter im Auge des Bruders und dem Balken vor den eigenen?
Wir Menschen halt…

Nochmal- jeder Mensch hat ein Recht in seinem emotionalen Empfinden ernst genommen zu werden. Das Erwachsene hier zunächst Rücksicht auf Kinder nehmen, da diese Sozialkompetenzen wie Frusttoleranz und Impulskontrolle erst noch lernen müssen, ist leider nicht selbstverständlich. Bloß, wenn wir den Kindern nicht zugestehen dies, und zwar in aller Ruhe, in ihrer Kindheit zu lernen, werden sie es wohl kaum als Erwachsene können – schöner Teufelskreis, der zudem unserer Welt, die dringend ein paar mehr sich selbst und anderen gegenüber emphatische Menschen gebrauchen könnte, alles andere als dienlich ist…

Beschämung, herunterspielen und sich lustig machen, drücken lediglich die eigenen Überforderung im Umgang mit Gefühlen aus. Fatal gerade als Eltern in Situationen, in welchen unsere Aufgabe eigentlich darin bestünde, für unser überfordertes Kind da zu sein. Ihm zu helfen, mit all seinen Emotionen umzugehen, ohne sich von ihnen (zumindest nicht) langfristig überwältigen zu lassen. Diese zu verstehen, zu deuten und vor allem wertfrei anzunehmen. Und ja, sicherlich auch mit fortschreitendem Alter und damit Entwicklungsstand, zu kontrollieren, umzuleiten oder eben so auszuleben, dass es weder ihm selbst noch anderen Schaden zufügt. Das braucht Zeit und die hat Kind doch eigentlich zu genüge – innerhalb von 18 Jahren schafft das, mit dem richtigen Support an der Seite, ganz bestimmt jeder kleine Mensch!

Darauf dürfen wir vertrauen!

Und manchmal da reicht es, einfach nur da zu sein und es stürmen zu lassen.
Denn auch hier kann man übertragend sagen:

“Es gibt kein schlechtes Wetter- nur die falsche Kleidung”
Als Eltern liegt es in unserer Verantwortung, unseren Kindern für jedes Wetter, jede Gemütslage eine ausreichende Auswahl Kleidung (=Strategien) an die Hand zu geben.

 

Ganz wichtig: Wann ein Kind sich alleine „anziehen“ kann oder mag ist höchst individuell!

  • Wie voll ist hier der Schrank Deines Kindes?
  • Was braucht es vielleicht noch von Dir?
  • Wie gut bist Du selbst ausgestattet?
  • Was solltest Du Dir selbst noch aneignen?

Gönn es Dir!

Euch!

Heult, lacht, seid wütend, ängstlich und mutig!
Väter mit Euren Söhnen. Töchtern und bitte auch Partnern*innen.

All das ist ein Teil LEBEN.

Lebt!
Gemeinsam!

Andere dabei zu begleiten, ernst- und vor allem anzunehmen ist

MITEINANDER LEBEN.

Darum geht es, denke ich.

Ganz besonders innerhalb der Familie🕊

#familiemiteinanderleben ❤️


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