Bedürfnisorientiert, Eltern, Familie, Gleichwürdig, Kinder, Lifestyle, Thinking
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Unsere Kinder bei Facebook, Instagram und Co.- Warum JA, warum NEIN?

Ihr Lieben,
Dies ist ein relativ langer Artikel zu einem sehr wichtigen Thema.
Die Einleitung „müsst“ Ihr selber lesen-
 mein Statement und das von Line Fuks von der (Wildnisfamilie) lesen wir Beide Euch gern vor- einfach auf den Playbutton unter unseren Namen weiter unten klicken.
Olivia*

Einleitung

„Sag mal Olivia, findest Du es eigentlich richtig, dass Du Fotos Deiner Kinder veröffentlichst?“

„Jep!“

„Warum?“

„Warum nicht?“

Immer wieder erreichen mich hierzu Mails oder Kommentare unter Fotos meiner Kinder. Meistens nicht nur kritisch sondern sehr bewertend und verurteilend.
Dieser Artikel soll keinesfalls eine Rechtfertigung meinerseits darstellen, sondern vielmehr erklären, was genau meine Beweggründe für mein Handeln sind.

Unglaublich, wie viele Menschen besorgt um das Befinden meiner Kinder zu sein scheinen.
Fremde.
Oft, um nicht zu sagen erstaunlich oft, ohne selbst Eltern zu sein…

Ich finde es super, wenn Eltern sagen „Nee, finde ich nicht gut, mache ich nicht!“
Was ich aber gar nicht mag ist dieses ständige „Wenn Du nicht machst, wie ich es mache (Oder noch besser- machen WÜRDE), machst Du’s falsch!“

Aus (eventueller?) Unsicherheit mit der eigenen Entscheidung diesbezüglich scheinen mir die vermeintlich anders und somit nicht ordnungsgemäß agierenden Eltern zur Bestätigung herhalten zu müssen.
Wie es so oft auch in anderen Erziehungs- oder Nichterziehungsfragen der Fall ist.
Durch das Kritisieren anderer bestätigen und verfestigen wir häufig unsere eigenen Werte- auf deren Kosten.

Kinder im Internet- das ist ein wichtiges Thema.
Genauso wichtig aber, dass es gesetzlich so ist, dass das Persönlichkeitsrecht der Kinder den Eltern übertragen wird, und diese die alleinige Verantwortung dafür tragen.
Ausschliesslich ist das der Fall, bis das Kind 7 Jahre alt ist- die volle Einsichtsfähigkeit wird Jugendlichen ungefähr ab 15 Jahren zugestanden.
Bedeutet die Eltern können, dürfen und müssen sogar diesbezüglich ihren eigenen Wertevorstellungen gemäss handeln. Da Werte und Moralempfinden nun mal naturgemäss absolut individuell sind, scheint es mir unmöglich, dazu eine allgemein gültige Regel à la „So macht man das anständig!“ aufzustellen. Hier muss jede Familie getreu ihren Überzeugungen gemäss entscheiden. Das bedeutet unweigerlich, dass es eben ganz viele verschieden Arten des Umgangs mit dem Thema gibt, die aber alle absolut in Ordnung und somit „richtig“ sein können.

Die wirklich interessante und teilweise aufschlussreiche Gesetzeslage habe ich am Ende dieses Artikel für Euch zusammen getragen- ich denke es ist wichtig diese zu kennen. Gerade auch Tanten, Omas usw., die beispielsweise ohne Einwilligung der Eltern kein Bild der Nichten und Enkelkinder posten dürfen. Auch ein nicht sorgeberechtigtes Elternteil darf dies übrigens z.B. nicht tun…

Meine eigene Begutachtung einer Entscheidung erwächst sehr subjektiv aus meiner persönlichen Wahrnehmung und der daraus resultierenden Bewertung der Umstände und auch des Mediums Internet allgemein.
Ich kann diesbezüglich also stets nur für mich sprechen.
Selbst wenn ich eine Meinung darüber habe, wie es andere machen- darf ich das für mich behalten- zumindest, wenn mich keiner danach fragt.
Ansonsten hängen wir nur wieder in dieser leidigen „Wer sind die besseren Eltern“-Spirale fest- nee, danke!

Ich verstehe die Problematik natürlich, allerdings käme ich nicht auf die Idee umgekehrt einer Mutter, die die Gesichter ihrer Kids beispielsweise stets nur unkenntlich gemacht zeigt, etwas zu sagen wie: „Ich finde das total übertrieben. Woher weisst Du denn, dass es deinem Kind später nicht unangenehm ist, auf sämtlichen Bildern im Netz nur mit Pornobalken zu sehen zu sein?“
Nicht, dass ich auch nur ansatzweise derartiges denken würde- warum sollte ich auch?

Ich gehe davon aus, dass alle Eltern das beste für ihr Kind wollen, und da hier in keiner Form eine auch nur ansatzweise akute Gefahr vorliegt, vor der die Allgemeinheit ein Kind schützen müsste, wüsste ich auch gar nicht, warum ich dazu überhaupt eine zur Diskussion stehende, verurteilende Meinung in Bezug auf Andere haben müsste, statt es einfach wertfrei so zu akzeptieren, wie sie es eben handhaben.

Interessant auch, dass es so viele Menschen gibt, die sich in diesem konkreten Fall für das Wohlergehen unserer Kinder interessieren, während genau das aber in unzähligen anderen Situationen total egal scheint. Nämlich immer dann, wenn Kinder stören, nerven, weil laut oder von hinten gegen den Flugzeugsitz treten. Manchmal glaube ich ja, dass manche zumindest einfach nur ein bisschen genervt von all den Babybildern in ihrer Timeline sind…
Ist doch schon auffällig, wieviele angebliche ProKinderrechte-Stimmen sich bei dem Thema Kinderfotos im Social Media Bereich zu Wort melden, die man an vielen anderen Stellen vergeblich sucht…

Ich persönlich beispielsweise finde Kinder gehören zu unserem Leben, zur Gesellschaft und das findet heute nun mal großenteils im Internet statt- zumindest meines.
Kinder finden statt!
Ich bin echt froh, dass durch all die Familienblogs, all die Instagram-Mamas und Papas das ganze Thema Kinder und Familie so viel mehr normaler, gesellschaftstauglicher, beinahe schon „cool“ geworden ist. Übrigens ist es mir dabei voll egal, ob mit Pornobalken, ohne oder eben auch gar nicht- bitte Jeder so, wie er meint.
Selbst wenn ich persönlich zum Beispiel immer ein mulmiges Gefühl dabei habe, wenn ich Kinder in (für mich!) intimen Situationen, wie auf dem Töpfchen, von hinten zwar- aber nackt, krank und verschwitz im Bett oder auch im Wutanfall auf dem Boden liegend sehe, dann bedeutet es eben nicht unweigerlich, dass mein Gefühl eine allgemeine Wertung der Situation rechtfertigt. Es ist und bleibt zunächst meine Angst dahinter.

Meine Sorge diesbezüglich rührt in dem Fall beispielsweise aus einem Statement des LKA-Sprechers Frank Schulen zu solchen Bildern und dem Argument, dass „die abgebildeten Kinder ja gar nicht nackt (oder ihr Gesicht zumindest nicht zu erkennen) seien“:

„Das müssen sie auch nicht. Selbst Bilder von Kindern in Badehose oder engem Sportdress, in Bikini oder Schlafanzug wecken bei bestimmten Menschen Begehrlichkeiten. Ganz zu schweigen von Kindern unter Bettdecken und Badeschaum. Ein Foto vom Herbstspaziergang sei weniger kritisch. (…) Kinderfotos wecken Begehrlichkeiten. Pädophile suchen im Netz gezielt danach, klauen sie und bieten sie anderweitig an.“, meint Scheulen.
(Quelle: https://www.derwesten.de/panorama/kinderfotos-im-internet-was-ist-daran-so-problematisch-id11184893.html)
Das scheint mir logisch, stimme ihm daher zu und achte darauf, dass die Bilder meiner Kinder nicht leicht für andere Zwecke verwendet werden können. In Badehose, Badewanne oder auch Eis schleckend wäre beispielsweise gar nicht meins- so leicht mag ich es da einfach niemandem machen.
Auf der anderen Seite, kann man ja mit viel Fantasie auch überall interpretativ denken…

Man sollte sich unbedingt im klaren darüber sein, dass man mit der Veröffentlichung die Kontrolle über das Bild verliert, und, dass ein Löschen das Bild nicht wirklich aus dem Netz entfernt. Bedeutet für mich, dass ich ein Bild, welches ich nicht mit gutem Gefühl jedem Menschen dieser Welt unter die Nase halten könnte, tatsächlich nicht posten würde.
Ich finde es übrigens total verantwortungsbewusst, wenn Eltern das für sich und ihr Kind bei jedem Foto so entscheiden, dass es eben nicht diese weiten Kreise ziehen soll.
Der umgekehrte Fall kann aber ebenso verantwortungsbewusst sein, wenn denn mit Bedacht und vor allem in Bewusstsein möglicher Konsequenzen gehandelt wird.
Einzig fehlende Auseinandersetzung mit Thematik und Eventualitäten fände ich persönlich vielleicht doch etwas schwierig.

Häufig höre ich, meine Einstellung würde sich mit dem Selbstbestimmungsrecht der Kinder beißen. Nur frage ich mich da, warum ein „etwas nicht tun“, weil das Kind es noch nicht selbst entscheiden kann, diesem Recht nicht ebenso entgegenstehen kann, wie ein „es dennoch zu tun“? Wenn ich nicht weiß, was das Kind will, wie entscheide ich denn, ob es besser ist die Sache nicht oder doch zu tun- in beiden Fällen entscheide ich über mein Kind, anhand dessen, was ich meine, was gut für es wäre. Zudem wird tagtäglich über den Kopf unserer Kinder entschieden. Obwohl sie dabei sogar sehr oft klar ausdrücken (Ein wütendes Brüllen ist ja eine klare Meinungsäußerung, oder?), dass sie etwas nicht wollen, setzen wir uns dennoch darüber hinweg- mit der Begründung „Sie könnten das ja noch nicht selbst entscheiden.“
Impfen, Kindergarten, Ohrlochstechen, Fleisch essen, Gemüse essen oder auch Nackedei baden gehen, usw..
Wir entscheiden, weil wir denken, es besser wissen, oder weil es eben so muss oder gehört.
So gestaltet sich das Argument „Selbstbestimmung“ im Fall, dass eben selbst noch gar nicht bestimmt werden kann, durchaus schwierig.

Mir ist es wichtig hier beide Seiten zu Wort kommen zu lassen.
Meine und die einer anderen Mutter, die ich sehr schätze und die, obwohl wir in ganz wesentlichen Dingen absolut ähnlich ticken (wie wir in einem wunderschönen Austausch vor einiger Zeit feststellen durften), diese konkrete Sache total gegenteilig handhabt- die liebe Line von der Wildnisfamilie.
Line lebt mit Frau und ihren 7 Kindern ein ziemlich herrlich wildes Leben als Konsumverweigerer und Freilerner.
(Mehr Infos unten am Ende ihres Beitrags!)
Line und ich sind ein super Beispiel dafür, dass man als Eltern mit ganz vielen ähnlichen Werten und Überzeugungen Dinge absolut unterschiedlich machen kann; und zwar ohne sich dabei zu kritisieren oder zu bewerten, sogar die Andersartigkeit nicht nur respektieren sondern durchaus wertschätzen kann.

Keine unserer beider Herangehensweisen steht für den korrekten Umgang mit dem Thema. Es geht vielmehr darum, dass wir uns als Eltern mit den Dingen auseinandersetzen, uns informieren, Ängste beleuchten und uns dementsprechend für einen bewussten Umgang entscheiden, mit dem es uns und den Kindern gut geht- ganz egal, wie der  aussehen mag, und ganz egal, wie Oma oder die beste Freundin das findet.

Selbstverständlich sollte man Bilder nur mit Bedacht veröffentlichen, aber auch das ist eben doch relativ.
(Dass wir allerdings hier nicht von diffamierenden Fotos oder gar Nacktbildern sprechen ist selbstverständlich!)

Es wäre so viel hilfreicher, bevor wir andere kritisieren oder gar verurteilen, wenn wir vor allem erstmal bei uns selbst aufräumen.
Nachdem ich einer Blog-Abonnentin mal sagte (wohlgemerkt nachdem sie mir mehrfach ziemlich unverblümt und vorwurfsvoll Verantwortungslosigkeit bezüglich des Umgangs mit Fotos meiner Kinder vorwarf), dass die Grundrechte des Kindes, welches ihre Kleidung vermutlich genäht hat, meiner Meinung nach mehr mit ihr und ihrem Verantwortungsbereich zu tun hätten, als die Privatsphäre meines Sohnes, bekam ich leider keine Antwort mehr.
Und auch als mich eine eigentlich gute FB-Freundin mehrmals darauf hinwies, dass sie meinen Blog leider nicht abonnieren könne, weil sie es so wahnsinnig falsch fände Kinderfotos öffentlich zu machen und seine Kinder so quasi zu mißbrauchen (?!…)- Natürlich im Gegensatz zu ihr, deren Kinder eben nicht online zu sehen sind- fragte ich sie dann doch mal dezent, warum denn die Privatsphäre all der syrischen Kriegskinder, die mir von ihrem Profil mit großen Augen entgegenblicken, weniger zählt, als die ihrer oder auch meiner Kinder…

Natürlich sind das zugegebenermaßen alles eher destruktive Totschlagargumente, weit hergeholt, aber zum mal drüber Nachdenken doch gar nicht so abwegig, oder?

Ich meine das gar nicht verurteilend, sehe da aber schon sehr oft eine Doppelmoral. Zudem relativiert es eben auch die angeblichen ‚Missetaten‘ all der vermeintlich verantwortungslosen Eltern, die fröhlich Bilder ihrer immerhin eigenen Kinder posten, und es verdeutlicht gut, dass wir halt alle meistens lieber bei anderen kritischer hinsehen als bei uns selbst.
Ist bei mir so oft nicht anders und trotzdem ist das schade!

So, und nun erkläre erst ich und dann Line Euch, warum wir es in unseren Familien machen, wie wir es machen.

Olivia

Ich lese Dir gerne vor!

 

Hauptargument ist oft, den Kindern könnten die Fotos später unangenehm sein.

Ich habe aktuell Kinder im Baby- bis ins Erwachsenenalter, und von allen gibt es online Kinderbilder.
Im Babyalter entscheiden hier wir Eltern. Ab ca 3 Jahren bereits fragen wir aber immer nach Erlaubnis, auch wenn sie es in dem Alter natürlich nicht wirklich überblicken können, ist ein „Nee“ dennoch selbstverständlich ein Nein.
Ab ungefähr Schulalter käme ich nicht im Traum auf die Idee, etwas zu veröffentlichen, was dem Kind nicht gefällt. Das läuft hier ja auch nicht im geheimen Kämmerlein- die Kinder klicken sich durch Onlinefotoalben mit einer absoluten Selbstverständlichkeit.
Instastories werden allabendlich super gern als kurzer Tagesrückblick angeschaut und nochmal bequatscht und belacht. Wenn mal ein blöder Kommentar kommt kontern die Großen selbst oder löschen diesen einfach. Das bin nicht nur ich im Netz, das sind wir.

Die Sorgen diesbezüglich kann ich dennoch absolut nachvollziehen, und ich könnte mir sogar vorstellen, dass es in manchen Fällen zu genau den befürchteten Situationen im Nachhinein in Familien kommen könnte.
Doch genau das ist der entscheiden Punkt für mich.

Bestimmend ist doch der Umgang mit Internet und Social Media in der Familie, das Bild, was vom Internet dort vermittelt, gelebt wird, denn das wird in der Regel zumindest erstmal übernommen.

Meine Kinder wachsen mit dem Internet und Social Media auf.

Ganz bewusst und verantwortlich aber angstfrei und natürlich- das ist bei uns eben so und Teil unseres Familienlebens.

Wir heute Erwachsenen haben das Internet als neu, unbekannt und ja, auch bedrohlich, weil anonym und unkontrollierbar kennengelernt. Wir bewerten echte Freundschaften mit „besser“ als Internetbekanntschaften. Unsere Kinder tun das nicht unbedingt. Sie begegnen ihm als normalem Teil des Alltags, denn es ist ihr Alltag. Ob wir das wollen oder nicht. Selbst mit Oma und Opa wird über das Internet telefoniert und zwar per Video, und das ohne Kartoffelsack über’m Kopf.
Social Media ist so etwas wie ihr zumindest zweites Kinderzimmer. Mein Sohn sagte mal, es wäre jetzt nicht so der Unterschied, ob ein Foto am Kühlschrank hinge oder bei Facebook gepostet würde, solange es nicht peinlich ist.
Ich glaube ohnehin, dass es die allgemein übliche Definition von Privatsphäre in der Form nicht mehr lange geben wird.
Unsere Kinder haben bereits heute schon komplett andere Maßstäbe dafür.
Wir messen die „Gefahr“ aber dennoch nach unseren.
Das fällt uns schwer zu verstehen, einfach weil wir noch komplett anders ticken.
Ich halte es für utopisch, dass ein heute 2 Jähriger in 12 Jahren ein Thema mit Kinderfotos von sich bei FB hat, nur weil wir meinen dieses Problem selbst vor 20 Jahren im umgekehrten Fall hätten haben können.
Und wie bitte finde ich in 15 Jahren ein Bild, dass ich heute gepostet habe? So einfach dürfte das nicht sein…

Es ist wie mit allem Neuen- die Alten (in dem Fall wir…) machen sich immer erst mal Sorgen und empfinden Neues als Bedrohung, vor der das Kind zu schützen ist.
Und was ist? Die Kinder haben gefühlt viel zu früh den ersten eigenen Account, auf dem sie Bilder hochladen, gegen die jedes Kinderfoto, was wir je posteten, einfach nur spiessig und langweilig ist.

Ich will meinen Kindern zwar keine Angst vor dem Netz machen, dennoch vermittle ich natürlich Tabus, die ich für notwendig halte- nackt beispielsweise nein, halbnackt nein, 1/4 Nackt immer noch nein.
Beschämende Situationen wie bei einem Wutanfall oder auf’m Klo, wie bereits erwähnt gehen bei uns nicht nach außen.

Mittlerweile posten über 71% aller Mütter bereits vor dem 2. Geburtstag ihres Kindes ein Foto, wesentlich mehr, als noch vor einigen Jahren.
(Quelle: internationalen Studie des Softwareherstellers AVG)
Nicht weil das Internet sicherer, sondern weil es uns eben einfach vertrauter geworden ist. Ich gehe davon aus, dass in weiteren 10 Jahren keiner mehr hiervon sprechen wird…

Da wäre dann noch das Thema, des überall lauernden Pädophilen…

Zu allererst frage ich mich ja da immer, warum irgend jemand Krankes meine Bilder klauen sollte, wenn es doch in jedem herkömmlichen Katalog, frei zugänglich Unmengen abgelichteter Kindern gibt, die dort sogar in Unterwäsche posieren. Klar kann das geschehen, aber ist das tatsächlich öfter, als im wirklichen Leben, in dem wir unsere Kids ja auch nicht verstecken?
Ich bin schon lange in der Social Media unterwegs und habe PERSÖNLICH noch von keinem solchen Fall gehört.

Instagram ist für uns zuhause wie ein Familienfotoalbum, in dem zum Anfassen haben wir btw. auch keine Nackedeis drin- da bin ich ziemlich strikt. Nackte Kinder werden hier nämlich noch nicht mal fotografiert und auch nicht beispielsweise am Strand spielen gelassen, damit sie dann schlimmstenfalls irgend ein anderer, leider nicht imaginärer Psycho heimlich mit dem Handy, hinterm vorgehaltenen Handtuch filmt, oder sich ohne Handy an ihrem Anblick erfreut. Da bin ich nun eventuell etwas panisch, und das mögen wiederum sicherlich ganz viele andere total übertrieben finden. Zu recht vielleicht!
So hat eben Jeder seine Ängste und übernimmt dementsprechend (hoffentlich) Verantwortung für die Durchleuchtung seiner Furcht und im Anschluss dann für die daraus resultierende Entscheidung- total in Ordnung, finde ich.

Mir hat mal ein Alarmanlagenverkäufer gesagt „Wenn jemand wirklich rein will, dann kommt er rein- egal, wie gut sie sich schützen!“
Das ist glaube ich grundsätzlich so. Wenn Jemand Kinderbilder von meinem FB klauen will, dann kann er das. Mit ein bisschen mehr Aufwand auch sogar von meinem privaten Rechner oder eben noch einfacher- klickklick, all den kleinen Mädchen auf’m Spielplatz beim Schaukeln unters Kleid fotografiert- alles schon passiert, aber deswegen ziehen wir unseren Töchtern ja trotzdem keinen Schneeanzug an zum Rutschen oder gehen nur auf den Spieli, wenn keiner da ist, oder?
Wenn ich also in diese Richtung denken würde, dann müsste ich das schon konsequent zu Ende tun und mich und meine Kinder am besten einsperren.
Und ganz ehrlich? Will ich nicht!
Wir tun heutzutage gern so, als wäre alles Böse nur im Internet vertreten- das ist doch Unsinn.

Realistischer oder zumindest ganz genauso realistisch ist es, dass der Nachbar einen an der Waffel hat. Also finde ich es für mich und meine Familie hilfreicher dem „vermeintlichen Feind“ sozusagen erhobenen Hauptes und furchtlos ins Auge zu sehen und ihm dabei aber wenig Angriffsfläche zu bieten. Bedeutet für mich und meine Kinder möglichst keine Bilder, die Doppeldeutigkeit zulassen (Klar, wer will, sieht überall was anzügliches…).
Aber auch gerade im echten Leben beispielsweise keine noch so süßen Babypopos am Beach, keine 2 Jährigen im Bikini oder Teenies in Hotpants, die knapper als ‚ne Unterhose sind (Ja meine Tochter fand’s damals mega kacke, heute sagt sie interessanterweise, da müsste ihre Tochter später auch mal durch…).
Alles natürlich kein Garant für absolute Sicherheit.
Es ist am Ende wie gesagt immer meine persönliche Angst und meine Entscheidung, wie ich damit umgehe.
Meine Verantwortung eben!
Ich habe einige Freunde, die so gar nichts von sich im Netz verbreiten, da ist es auch nur mehr als logisch, diese selbst geschätzte Privatsphäre auch für ihre Kind zu erhalten.
Manchmal finde ich das sogar ziemlich cool und frage mich, wie es wohl wäre, wenn uns virtuell niemand kennen würde. Ein bisschen verlockend schon- zugegeben! Doch dann fallen mir all die wundervollen Menschen ein, denen ich eben nur durch meine Arbeit, mein Onlinedasein begegnet bin und fühle mich bestätigt, dass es für uns so der richtige Weg ist.

Edit*
Ich bekam von einer meiner lieben Insta-Mamas den Hinweis, dass sie es von Vorteil fände, die Namen der Kinder nicht öffentlich zu machen. In ihrem Fall ist es leider passiert, dass die Kinder von Fremden erkannt und namentlich angesprochen wurden. Das kann natürlich gefährlich werden, gerade bei kleineren Kinder, die durch die direkte Ansprache eventuell fälschlich Vertrauen fassen könnten.
Diesen Hinweis werde ich künftig umsetzen wollen- Dankeschön @sumpfkinder!

Ein anderer Hinweis, ich hätte vergessen, dass ein Hauptproblem wäre, dass Facebook und Co. Bildrechte an den Fotos bekämen und so mit den Bildern machen könnten, was sie wollen, empfinde ich als peripher. Ich meine, was soll denn damit gemacht werden? Unsittliches, diffarmierendes fällt gesetzlich raus, und auch alles andere ist mehr als unwahrscheinlich.
Wie doof muss Facebook sein, mit einem Bild was auch immer anzustellen? Damit würde es sich selbst das Business ruinieren, da dies sicherlich zur Folge hätte, dass wesentlich weniger Bildmaterial gepostet werden würde…
Zudem steht in den AGBs immer auch etwas dabei wie
„Die von dir im Rahmen dieser Lizenz gewährten Rechte beschränken sich auf den Zweck, unsere Dienste zu betreiben und bereitzustellen (beispielsweise uns zu gestatten, dein Profilbild und deine Statusmeldung anzuzeigen, […]).“ (Stand: Februar 2017) 
Damit kann ich persönlich gut leben.

Ihr Lieben- wie geht Ihr damit um?

(Geschriebenes gilt ausschliesslich für mich und meine Kinder, und ich schätze wirklich alle Eltern, die es anders machen sehr- nämlich einfach dafür, dass sie eben Verantwortung übernehmen, denn darum geht es doch bei dem Ganzen!)

Line

Ich lese Dir gerne vor!

 

Vor etwa zwei Jahren sind wir als  die „Wildnisfamilie“ online gegangen. Dabei hatten wir uns bewusst dazu entschieden, unsere Identität eher anonym zu gestalten. „Inkognito Style“!

Das bedeutet, das wir als Familie nicht wirklich zu sehen waren, also unsichtbar blieben. Keine Gesichter und nichts mit dem man uns sonst erkennen konnte wurde gezeigt.

Ich möchte Dir hier erklären, was unsere Beweggründe dazu waren. Ich erkläre hier nur unsere Beweggründe und möchte sie nicht als allgemein gültige Dogmen darstellen. Denn es war und ist alleinig unser Weg. Jede Familie darf und muss ihren eigenen Weg finden und mir liegt nichts daran, Familien, die sich anders entschieden haben, zu verurteilen.

Vielleicht kann ich dem einen oder anderen mit unseren Gedanken über die Öffentlichmachung der familiären und persönlichen Privatsphäre einen Impuls setzen und bei der Entscheidungsfindung Inspiration geben?

Bevor wir online gingen, haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, wie wir damit umgehen wollten, durch die Internetauftritte in gewisser Weise in der Öffentlichkeit zu stehen. Allerdings war uns damals nicht annähernd bewusst, welchen Bekanntheitsgrad wir einmal erlangen werden. Selbst als unbekannte Lichter war uns unsere Privatsphäre und der Persönlichkeitsschutz unserer Kinder sehr wichtig. Nicht zuletzt auch das Recht auf Selbstbestimmung.

In unserer eigenen Entscheidungsfindung schauten wir uns andere YouTube Kanäle und Blogs an. Wir wollten abspüren, was uns gefiel und was nicht. Ich fühlte mich manchmal wie ein Voyeur, der intime Dinge zu sehen bekommt, die einfach in meinen Augen nicht für mich bestimmt waren.

Die meisten Blogs und Youtube Kanäle mit ähnlichem Hintergrund wie wir, die ich damals kennenlernte, zeigten sich und ihre Kinder ganz offen. Mit manchen dieser Videos und Beiträgen fühlte ich mich unwohl. Die Vorstellung unsere Kinder würden genauso öffentlich sein, hatte einen Beigeschmack von „Familienvermarktung“.

Wir reflektierten also, welche Motivation wir hatten online zu gehen. Uns lag es daran zu inspirieren und Mut zu machen, seine Träume zu leben. War es dazu wirklich notwendig unsere Kinder zu zeigen? Nein! Wir waren der festen Überzeugung, dass wir das auch anders schaffen könnten.

Unser Credo war es also einen Weg zu finden, online zu gehen ohne uns selbst zu verleugnen und bei uns und unseren Überzeugungen zu bleiben.

Wir leben nichtdirektiv mit unseren Kindern und uns ist es wichtig, dass sie weitgehend selbstbestimmt leben können.

Ein Kind ohne sein Wissen und seine Zustimmung abzulichten und diese Bilder und Filme dann der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, beisst sich mit unserer Vorstellung von Wahrung der Privatsphäre.

Erst wenn ein Kind entscheiden kann, dass und in welcher Form es im Internet gesehen werden will, halten wir es für angebracht diesen Part mit zu nutzen.

Wir haben mittlerweile fünf Teenager. Und aus dieser Erfahrung kann ich sagen, dass sie Situationen, in denen sie klein waren, anders interpretieren und ein anderes Empfinden darüber haben als wir Eltern.

Also Dinge, die früher völlig Banane waren – sind heute super peinlich! Hätten wir also solche Ereignisse veröffentlicht, wäre das im damaligen Alter kein Problem gewesen und sie hätten sicherlich ihre Zusagen gegeben. Doch durch den Blick der Teenageraugen ist dem nicht mehr so. Wie fatal ist da aber das Internet, was nichts vergisst?

Es war reizvoll die Kinder als Transportmittel zu nehmen und auszunutzen, dass wir dadurch mehr Klicks und mehr Likes bekommen könnten. Denn ein süßes Kindergesicht bewirkt das eben eher, als nur die Füße oder ein gesichtsloser Hinterkopf.

Und hier kommt ein weiteres Argument, was uns dazu bewogen hat, die Kinder inkognito zu halten. Die Perversität im Internet. Es gibt so viele Geschichten rund um Kinderbilder, die dann auf dubiosen Internetseiten vermarktet werden um dann für Dinge benutzt zu werden, die ich als Mutter in keiner Weise für meine Kinder will.

Natürlich macht mich nicht heiß, was ich nicht weiß. Doch dieser Satz alleine hat mich nie beruhigt. Denn in dem Moment, in dem ich diesen Menschen die Möglichkeit gebe, das zu tun, was sie tun – fühle ich mich unwohl. Ohne mein Zutun gestaltet es sich für diese Menschen sehr viel schwieriger. Natürlich könnte ein Spanner auch irgendwo im Gebüsch heimlich ein Foto machen und es dann ebenfalls veröffentlichen. Und doch ist es für mich ein riesiger Unterschied, ob ich selbst dazu den Ball ins Feld kicke und ihm somit Tür und Tor öffne.

Heute sind wir für viele Blogger und Youtuber Vorreiter und Vorbild. Immer wieder bekommen wir Feedback, dass die Leute es toll finden, wie wir mit dieser Thematik umgehen.

Natürlich gibt es auch die, die sich „beschweren“, dass die Kinder nie zu sehen sind und es nicht verstehen können, dass wir uns so „zickig“ haben.

Und vielleicht haben wir auch weniger Likes und Gefällt mir und Follower…

Beides spielt jedoch nicht wirklich eine Rolle für uns. Denn wichtig allein ist es, wie wir es empfinden! Für uns muss es stimmig sein.

Daher lieber Leser oder liebe Leserin ist es auch nicht wirklich wichtig, was ich dazu zu sagen habe. Es ist wichtig, dass Du Dich entscheidest und wie Du damit umgehen willst. Wir können maximal Inspiration sein – egal in welche Richtung.

Über Caroline Fuks

Das erste, was ich von Line las, war eine Selbstbeschreibung, die lautete:

„Ich bin Line Fuks und diejenige welche hier den Blog bestückt, Youtuberin, Podcasterin, Coach, Holzschmiedin, Autorin und Sprecherin bei diversen Kongressen. Kurz gesagt eine eierlegende WollMilchSau. Denn neben diesen Dingen bin ich Mensch, Visionärin, Träumerin, Mutter, Partnerin und Lebenskünstlerin.

Ich finde meine Unperfektheit und Inperfektheit perfekt. Sie macht mich zum Menschen und lässt mich weich sein.

Ich liebe es zu pauschalisieren und damit aufzuwühlen und zum nachdenken anzuregen. Trotz meiner manchmal etwas provokanten Pauschalisierung bin ich ein toleranter Mensch.“

Das habe ich gelesen und die Person dahinter für spannend befunden. Findest Du auch? Schau mal hier:
Es lohnt sich übrigens unbedingt ihren Podcast zu abonnieren!


Abschliessende Erläuterungen zur Gesetzeslage

Diese Grafik fasst es prima zusammen und ist zu finden, neben weiterer Infos zu dem Thema auf: https://www.arag.de/auf-ins-leben/internetrecht/recht-am-eigenen-bild-kinder/


Können Eltern die Zustimmung zur Veröffentlichung von Fotos ihrer Kinder geben?

Zitat:
„Grundsätzlich ja, wobei es einer gewissen Differenzierung bedarf. Bei Kindern bis zu sieben Jahren entscheiden alleine die Eltern oder Erziehungsberechtigten darüber, ob ein Foto veröffentlicht werden darf. Es ist also nicht möglich, ungefragt das Foto eines Minderjährigen ins Netz zu stellen.

Zwischen acht und 17 Jahren gilt dann die sogenannte Doppelzuständigkeit: Nun müssen sowohl die Eltern als auch die Kinder oder Jugendlichen befragt werden, ob sie mit einer Veröffentlichung einverstanden sind. Juristen nennen das „erreichte Einsichtsfähigkeit“. Rechtlich nicht vollständig geklärt ist, gemäß den Worten von John Weitzmann (iRights.info), wann diese „Einsichtsfähigkeit“ erreicht ist. Grundschulkinder können beispielsweise ohne Eltern auch keine Verträge abschließen. Und kleine Schulkinder verstehen in der Regel noch nicht, was die Preisgabe von Daten bedeutet.

Anders gesagt: Der Gesetzgeber lässt hier einen gewissen Spielraum, geht jedoch davon aus, dass ab Vollendung des 14. Lebensjahres die „erreichte Einsichtsfähigkeit“ gegeben ist. Gerade aber weil der Gesetzgeber an dieser Stelle vage bleibt, sollten die Eltern von Minderjährigen um ihre Einwilligung zur Veröffentlichung gebeten werden. Etwa, wenn auf der Webseite der Schule Fotos vom letzten Bandkonzert oder dem Sommerausflug an den See eingestellt werden.“

(Quelle: https://www.arag.de/auf-ins-leben/internetrecht/recht-am-eigenen-bild-kinder/)

Sind sich beide sorgeberechtigten Elternteile über die Veröffentlichung eines oder mehrerer Bilder ihrer Kinder nicht einig, muss gegebenenfalls das Familiengericht über die Veröffentlichung entscheiden.

Liegt das Sorgerecht ausschließlich bei einem Elternteil, darf der andere Elternteil Bilder seines Kindes nicht ohne die Einwilligung des sorgeberechtigten Elternteils veröffentlichen. Das Recht über die nach § 22 KUG erforderliche Einwilligung zu entscheiden, liegt gemäß §§ 1626, 1626 a Abs. 2, 1627, 1629 BGB ausschließlich bei dem allein sorgeberechtigten Elternteil.

Auch Verwandte, wie Großeltern, Tanten, etc. müssen die Einwilligung der Sorgeberechtigten Eltern einholen, wenn sie Bilder von deren Kind veröffentlichen und verbreiten wollen. Dessen sind sich scheinbar viele Facebook-Nutzer nicht bewusst.

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