Lernen

Hier geht es um das Thema Lernen- ganz konkret um das Thema Lernen in Kindergarten und Schule (oder eben auch nicht!). Sämtliche Artikel und Beiträge meines Blogs zum Thema erscheinen in dieser Rubrik. Ich erzähle Dir aber zu gern vorab einmal meine ganz persönliche Geschichte in Bezug auf Schule, Ausbildung und Bildung allgemein. Schau Dir doch auch unbedingt den Film oben an, wenn Du magst- er sagt im Grunde schon sehr viel zu dem Thema!

4 Wochen vor meiner Abitursprüfung bin ich ganz spontan einfach nicht mehr zur Schule gegangen. Mein damaliger Mathematiklehrer schikanierte mich, stellte mich bloß. Das immer und immer wieder- in der Abi-Zeit ganz besonders, zumindest fühlte es sich für mich damals so an. Nach einem erneuten Vorführen meiner mathematischen Unfähigkeit, dachte ich mir, ich demonstriere ihm mal, dass er mir gar nichts kann und ich vor Allem gar nichts muss. Nun ja- ich „musste“ daraufhin (aber dass war dann eben quasi selbstgewählt) erstmal eine Ausbildung (Fremdsprachenkorrespondentin fand ich damals interessant) absolvieren, damit man mir den Schulabschluss dann im Nachhinein doch noch wenigstens anerkannt hat.

„Gezeigt“ habe ich damit wohl eher mir als ihm etwas- nämlich, dass es immer besser ist, Dinge aus Überzeugung, aus eigenem Antrieb und somit eben freiwillig zu tun, als lediglich weil „man muss“ oder auch nur weil „man es eben so macht“ oder es Andere von einem erwarten. Daran halte ich mich seitdem und bis heute sehr erfolgreich. Erfolg, da sind sich selbst Größen der heutigen Wirtschaft einig, setzt zuallererst voraus, etwas zu tun, das man gerne tut! Nur dann kann ich wirklich gut sein.

Nach meiner ersten Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin hing ich ein paar Monate gemütlich an der Uni rum- hab’ „Marketing und Kommunikationswirtschaft“ (das war extrem „in“ damals…) versucht- aber dieses grösstenteils so passive „sich Belehren lassen“ war und ist einfach nichts für mich. Ich bringe mir die Dinge, damals wie heute, lieber selber bei.
Im Anschluss habe ich dann noch eine weitere Ausbildung zur Werbetexterin und später eine Schauspielausbildung abgeschlossen.

Ich stehe absolut auf Bildung bin aber eine ganz klassische Autodidaktin. Das geht in so vielen Bereichen problemlos, mit viel Extraaufwand zwar, klappt für mich so meist aber wesentlich besser. Aktuell studiere ich Soziologie an einer Fernuniversität und bilde mich regelmässig anhand von verschiedensten Angeboten (Webinare, Fernlehrgangskurse, aber auch Präzensseminare z.B.). Mathe kann ich immer noch nicht-  es fehlt mir dennoch nichts und geht mir super damit. Wow-das Leben funktioniert also ganz offensichtlich wunderbar auch ohne Stochastik und Analytische Geometrie- wer hätte das gedacht, lieber Herr H.? Wozu war also die jahrelange Quälerei der kleinen Olivia damals gut, womit ernstzunehmend gerechtfertigt?

Vor diesem Hintergrund verstehe ich natürlich nur zu gut, warum das Prinzip „Schule“ für so viele kleine und auch größere Menschen nicht funktioniert. Hat es das bei mir ja auch nicht.

Es ist mehr als traurig, dass wir unsere Kinder diesem System aussetzen (müssen?). Unabhängig, ob es zu ihnen passt oder nicht. Wie kann es sein, dass der Staat über einen so großen Teil der Lebenszeit unserer Kinder bestimmt? Gibt es nicht noch andere Möglichkeiten?Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht gemäß Artikel 26 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Inhalt ist der menschliche Anspruch auf freien Zugang zu Bildung, auf Chancengleichheit sowie das Schulrecht. Allerdings wird das, zumindest in Deutschland, leider eher weg vom RECHT auf Lernen hin zur SchulPFLICHT ausgelegt. Die Anwesenheit an einer Schule hat aber nun mal nicht unweigerlich etwas mit Bildung zu tun. Nicht Wenige lernen dort viel zu Wenig bis fast gar nichts. Sowieso kann man Niemanden zum lernen zwingen- das ist immer ein freiwilliger Prozess und wenn wir in diesen bei unseren Kindern nicht, wie heute leider beliebt und üblich, so früh wie möglich eingreifen auch ein wunderbar natürlicher. Jedes Kind will von Natur aus Lernen.
All diese Themen zu Ende gedacht haben mich schließlich zum Thema Freilernen geführt.

Dieses Thema so konkret und aktiv gedacht, ist relativ neu für mich und meine diesbezüglichen Gedanken, unseren Weg vor allem mit dem Thema Freilernen, kannst Du hier mitverfolgen. Wir haben uns gerade erst auf den Weg gemacht- es wird also spannend!

Olivia*

Grundlegende Information:

Die grundsätzliche Definition und viele weiter interessante Informationen zum Freilernen allgemein findest Du bei der Freilerner Solidargemeinschaft e.V

Freilernen/Freilerner

Der Begriff „Freilerner“ wird in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. Wir bezeichnen als „Freilerner“ Menschen, die sich ohne Bindung an eine Schule oder an eine andere Bildungsinstitution selbstbestimmt und selbstorganisiert bilden.

Frei sich bilden

Der Ausdruck “frei sich bilden” wurde geprägt durch den Philosophen Bertrand Stern, der sich seit über 40 Jahren mit Schulkritik beschäftigt: „Ich [das Subjekt] bestimme, was in welchem Moment dran ist, was ich entdecken muss, was ich erfahren muss, was ich praktizieren will. All das wäre mit dem Begriff ‚Lernen‘ nicht wirklich offen und positiv. Hingegen sind beim Begriff “frei sich bilden” sowohl die Rückbezüglichkeit wie das Freie, eben das Selbstbestimmte wesentlich, wobei der Prozess nicht nur nach innen, sondern natürlich auch nach außen gerichtet ist.“

(Quelle: http://www.freilerner-solidargemeinschaft.de/infos-freilernen/begriffserklaerungen)