Eltern, Gleichwürdig
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Gewalt gegen Kinder- was tun?

Piepmadame schrieb gestern über Gewalt an Kindern. Dabei kam die Frage auf, welche Handlungsstrategie, die richtige wäre in Situationen, in denen wir bspw. eine Mutter dabei beobachten, wie sie rau oder sogar gewaltvoll mit ihrem Kind umgeht. Ich habe mir dazu schon länger Gedanken gemacht und nutze die Gelegenheit, diese mit euch zu teilen.

Die Haltung, die wir leben, betrifft nicht nur Kinder, sondern ALLE Menschen. Keine Mama tut so etwas, weil sie böse ist. Sollte es nötig sein, ein Kind zu schützen- selbstverständlich müssen wir das tun! Im Zweifel andere Instanzen einschalten, auch wenn diese nicht immer einen guten Job machen- wir haben keine andere Möglichkeit, also müssen wir den Weg gehen, der da und immer noch besser, als nichts ist. Oft höre ich, wie sich Leute darüber beschweren, dass das Amt ja eh nichts unternehmen würde. Ich frage mich dann, ob man die Verantwortung mit der Meldung an das Amt abgeben möchte. Die Leute dort sind auch oft unterbesetzt, demotiviert- whatever. Wenn es mir ein echtes Anliegen ist, hake ich nach, mache Druck. Drohe mit Meldung an Vorgesetzte. Ich habe genau so schon mehrfach erreicht, dass dort seiner Arbeit nachgegangen wurde. Ebenso habe ich es aber auch schon erlebt, dass dies von allein und im ersten Anlauf passierte.

Hinzufügen möchte ich auch, dass es nicht allein Aufgabe irgendeines Amtes ist, sich um die Unversehrtheit von Kindern zu kümmern. Wieviele Kinder werden mißhandelt hinter der Tür nebenan, und kein Nachbar will etwas mitbekommen, eventuell auch nur geahnt haben. Solange man nämlich wegsehen KANN, fühlt man sich oft nicht gezwungen zu handeln. Ernüchternd, dass wir Menschen uns häufig anderen Menschen nicht verantwortlich genug fühlen, um aufeinander zu achten. Einander zu unterstützen. Uns um einander zu kümmern. Allein dadurch würde viel Kinderleid vermieden oder zumindest verringert werden können. Ich würde soweit gehen, zu behaupten, wenn man selbst in seinem Umfeld innerhalb der letzten 20 Jahre nicht mehrfach aktiv werden musste, unterstützend oder anders Kontakt zu diesem Thema mit einer (fremden) Familie hatte, muss man, rein statistisch betrachtet, das ein oder andere Mal weggeschaut oder meinetwegen auch, wenn es sich denn besser anfühlt, etwas „unabsichtlich übersehen“ haben. Wo wohnen denn all die verwahrlosten Kinder? Irgendeines muss auch neben oder über uns wohnen. Eines davon muss in die selbe Kita mit unserem gehen. Bevor wir also auf Ämter schimpfen, die einen Job tun müssen, weil wir unseren menschlichen viel zu selten erledigen, lohnt es sich zu allererst vor unserer Türe zu kehren.

Akuter Schutz in Form von dazwischen gehen oder eben eine Instanz hinzuzuziehen, sehe ich sinnvoll, wenn Gefahr für körperliches Wohl des Kindes besteht. Nötig wäre dieses wesentlich früher, aber das seelische Wohl eines fremden Kindes können wir nicht schützen in dem Moment. Nicht so, wie es wünschenswert wäre. Leider. Dem geschuldet, dass dieses, entgegen unsere Gesetzgebung übrigens(!), traurigerweise in der Realität als weniger wert, gegenüber seinem körperlichen gewertet und daher auch dementsprechend weniger geachtet wird. Vergehen dagegen schlicht nicht geahndet werden. Solange es nicht blutet, oder wenigstens blaue Flecke verursacht, ist es zwar unschön, mehr am Ende meistens nicht. Furchtbar, aber das müssen wir (noch!) leider, akzeptieren. In der Situation. Nicht grundsätzlich! Es wird sich ändern, auch mit ein Grund weshalb ich all das hier mache, jedoch wird es das nicht morgen tun. GANZ WICHTIG: Ein Versuch der Verbindung mit dem Kind ist immer möglich und unabdingbar: Ein liebevoller Augenkontakt „Das ist nicht ok, was Dir passiert!“, „Du bist ein wunderbares Kind“ „Ich sehe Dich und das Unrecht!“. Mehr (konstruktives) werden wir nicht leisten können- dies aber kann viel bedeuten und bewirken. Es kann die kindliche Resilienz stärken und am Ende sogar seine Seele retten. Ich spreche aus Erfahrung. Meiner und anderer. Ansonsten gilt es der Mama Empathie und Liebe entgegen zu bringen. Denn sie kann nur geben, was sie erhält. Wenn wir sie kritisieren, verurteilen, böse schauen oder sie blossstellen, machen wir uns mitschuldig am Leid des Kindes. Denn wir geben ihr damit wieder nur etwas mehr Negativität und Abwertung, von der sie offensichtlich mehr als genug in ihrem Leben hatte, die sie weitergeben wird. An das Kind, welches wir schützen wollen. Unsere Betroffenheit und Wut können wir uns sparen, ist sie nichts, als am Ende Überheblichkeit, weil wir selbst „ja so niemals handeln würden“, demnach besser sind, als „diese abartige Person, der man ihr Kind wegnehmen sollte…“. Uns wird “schlecht, wenn wir sowas sehen!” Wir werden “wütend, der sollte man selbst mal den Hintern versohlen!”
Wie liebevoll und voller Gleichwürdigkeit, all diese UNSERE Gedanken? Strafen sind Gewalt? Warum nehmen wir uns heraus, eine Bestrafung der Mutter zu wünschen? Gewalt mit Gewalt begegnen? NEIN!

Ich verstehe das zu gut. Ich fühle das auch. Und ebenso sehr will es nicht verstehen. Und auch nicht fühlen. Warum? Weil ich mich entschieden habe, zu lieben. Den Menschen. Alle.
Weil ich weiß, dass es nur so funktionieren kann. Wird!

Es ist falsch, wenn Kinder von Erwachsenen respektlos behandelt werden. Genauso falsch, wenn Erwachsene von Erwachsenen respektlos behandelt werden. Respekt muss sich niemand verdienen. Würde ist ein Menschenrecht, nicht abhängig davon, ob der Mensch selbst würdevoll mit anderen umgeht. Schwer zu spüren, ist aber dennoch so. Es ist nicht richtig, was in solch einer Situation geschieht, die Situation zu verurteilen, wenn es jemandem hilft- noch okay. Den Menschen dahinter- nein! Unsere Aufgabe als Eltern ist es, zu schützen und zu lieben. Wenn uns dieser Weg ernst ist, solle das ebenfalls unsere Aufgabe als Mensch werden.

Entweder bin ich wahrhaft emphatisch, oder ich bin es nicht. Gleichwertigkeit erlaubt keine Unterschiede keine Wertung des Menschen. Nur Mitgefühl mit dem Kind, aber mit der Mutter nicht, ist vielmehr einfältiges Mitleid, statt Empathie. Da geht es uns nicht (nur) um das Kind, sondern auch deutlich um uns selbst, weil wir dieses Gefühl nicht ertragen können und es loslassen wollen. Müssen, um uns gut zu fühlen. Unser Seelenfrieden wird gestört. Wir sind (kurz) persönlich betroffen. Nur deshalb interessiert es uns überhaupt. Nicht weil wir so gute, uns kümmernde Menschen sind. Nein, es geht dabei um uns, und WIR wollen nicht leiden.
Das Kind aus den Nachrichten, dem 5x schlimmeres (was das schlimme nicht abschwächen soll!) passiert, oder gar dem hungernden STERBENDEN Baby auf dem fremden Kontinent, womöglich noch mit fremder Hautfarbe, ist uns herzlich egal. Zumindest egal genug, als, dass sich niemand fragt, “Was mach ich nur, was soll ich bloß tun?”. Im Gegenteil, unsere Empathie genügt noch nicht mal insoweit, als dass wir bspw. auf bestimmte Konsumgüter, die nachweislich mitverantwortlich sind für das Leid dieser fernen Kinder, verzichten würden. Selbst 10,- monatlich, bequem per Dauerauftrag sind uns zumeist dann schon zuviel.
Wir lieben Kinder so unfassbar sehr! Ja? Oder doch nur die, die irgendetwas in uns zum schwingen bringen? Kinder durch deren Leid, wir selbst etwas Leid spüren? Das Kind da vor unserer Nase, tut uns nun angeblich leid. Wobei stopp- bestimmt tut es das, zumindest auch. Doch aktiv handeln wollen wir großteils vor allem, weil es UNS schlecht damit geht. Wir spüren persönlich den Schmerz. Dafür wollen wir den Täter bestrafen, fühlen tiefe Ablehnung in uns für ihn. Doppelmoral hoch 1000.

Was mich auch immer wieder verwundert, ist die Aussage „ich bin mir unsicher, ob ich etwas tun sollte. Eventuell mache ich es schlimmer, oder die Mutter hatte nur einen schlechten Tag und ist sonst total liebevoll.“
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Gewalt ist niemals ok. Niemals zu rechtfertigen (Notwehr mal ausgenommen.)
Auch habe ich es noch niemals erlebt, dass ein Hund (ich bin kein Fan der Hund/Kind-Vergleiche- hier passt es ganz gut…) auch nur leicht getreten wurde, ohne dass die Masse auf den vermeintlichen Tierquäler losgegangen wäre. Da genügt oft schon ein ruppiges ziehen an der Leine, dass zumindest mal böse geschaut wird. Niemand fragt, „Soll ich was sagen, vielleicht ist der Halter ja sonst total nett, war es jetzt wirklich schlimm?“ Niemand macht sich in dem Fall Sorgen, dem Hund würde es durch das Eingreifen womöglich noch schlechter zuhause ergehen; der Besitzer könnte seinen Frust über die Peinlichkeit an dem Tier auslasen. Für mich zeigt sich da nur einmal mehr die Wertigkeit, die Stellung des Kindes in der Gesellschaft und somit auch in allzu vielen Köpfen. Tiere stehen bei vielen über dem Menschen, sind schützenswert. Tierschutz boomt. Zumindest mal der, der sogenannten Haustiere- anderes Thema… Kinder? Auch wichtig, Erwachsene sind wichtiger. Das ist falsch!

Es stellt sich NIEMALS die Frage, OB man etwas tun sollte, wenn man Gewalt (übrigens ganz egal gegen wen!) erlebt. Die Frage ist immer nur WAS zu tun ist. Dazu macht es Sinn, sich ehrlich zu fragen, was einen gerade treibt.
Will ich helfen?
Will ich mich nur aufregen?
Will ich mich selbst wieder gut fühlen, weil mir die ganze Situation ein schlechtes Gefühl gemacht hat, und ich dieses loswerden möchte?
Oder will ich wirklich helfen?
Wem?
Dem Kind?
Den Eltern?
Oder sogar allen, die Hilfe benötigen?
Wenn ich das nicht beantworten kann, ist die Gefahr, destruktives beizusteuern, ziemlich groß und dann im Zweifel gar nix zu tun, vielleicht besser?

Im Grunde bleiben meiner Meinung nach nur 3 Optionen.

  • 1. Im Fall körperlicher Gewalt akut eingreifen. Dazwischen gehen, Hilfe holen und unbedingt dran bleiben und dafür Sorge zu tragen, dass sauber nachgegangen wird. SCHÜTZEN!

Ansonsten kann es immer nur darum gehen, so nachhaltig, wie möglich zu helfen. Wenn wir die agierenden Eltern anschreien oder beschimpfen, helfen wir nur uns selbst dabei, unserem Ärger Luft zu machen und so der unangenehmen Ohnmacht zu entkommen. Ewige Betroffenheit ist nicht hilfreich. Über Eltern schimpfen, Kinder bemitleiden, „hätte, müsste, könnte“, ebenso wenig.

  • 2. Dem Kind dezent aber deutlich (möglichst nur!) für es wahrnehmbar, Zeichen der Verbundenheit zu senden. Ein Blick, wenige Worte. Etwas, was ihm dabei helfen könnte daraus eine Schutzmauer gegen all die Verletzungen zu bauen. In der Hoffnung, dass ihm das vielfach geschehen wird in ähnlichen Situationen, und es von diesen mini Liebesportionen ausreichend nehmen kann, um all den Verletzungen wenigstens etwas entgegen setzen zu können.
  • 3. Dem gewalttätigen Erwachsenden empathisch begegnen. Dies ist und bleibt in diesen Situationen die verlässlich nachhaltigste Möglichkeit der Hilfe. Und zwar für beide. Ebenfalls in der Hoffnung, dies täten viele Menschen, und es würde so aus all diesem erlebten Mitgefühl  im Erwachsenen die Fähigkeit entstehen, dem Kind davon wenigstens etwas weiter zu geben.

Das mag sich, als zu wenig anfühlen. Ist es auch, doch leider ist dies, wie ich fürchte, eine der ohnmächtig machenden Situationen, in denen es nur darum gehen kann, so viel wie MÖGLICH zu tun. Nur, weil wir einem Kind aus schwierigen Verhältnissen keine schöne Kindheit zaubern KÖNNEN, dürfen wir nicht gar nichts tun. Auch nicht bloß irgendwas, sondern etwas, was IRGENDWAS immerhin ändern KÖNNTE. Parallel ist Grundsatzarbeit im Umfeld, Aufklärung usw. unerlässlich. Nur das wird eben grundsätzlich Wege für andere Möglichkeiten ebnen. Das und die Unterstützung anderer Eltern in schwierigen Situationen. Helfen, BEVOR Menschen überfordert und derart am Ende sind, dass sie gewalttätig handeln MÜSSEN.

Ich würde mich freuen, wenn wir hierüber in eine Diskussion kämen, und sich vielleicht weitere Strategien und Handlungsoptionen daraus ergäben. Eventuell auch von Betroffenen? Was hat Euch geholfen? Was nicht? Auch hier sind es natürlich fast ausschliesslich meine Erfahrunge, die meine Sicht auf die Dinge prägen. Wer weiß mehr? Was anderes? Lasst uns darüber sprechen- es ist wichtig!

LIEBE ist für alle da, wer sie nicht geben kann, braucht mehr davon! Wenn wir nun also behaupten, wir leben eine Haltung der Liebe und Gleichwürdigkeit, liebten wir auch den Täter, so schwer es sein mag. Für mich ganz oft unsagbar schwer. Stellten uns mit der Mutter auf eine Stufe und begegneten ihr dort. Gingen in BEZIEHUNG mit diesem Menschen, der genauso viel Wert ist, wie wir. Genauso gut ist, wie wir. Nicht von oben herab, als Richter und Besserwisser. Wer das nicht kann, ist nicht bereit dem betroffenen Kind wahrhaft zu helfen. Braucht eventuell selbst noch ganz viel Liebe.

Um Verurteilung, gar Rechtsprechung geht es dabei mitnichten. Also gehen wir zur Mutter (Vater, wem auch immer), lächeln sie an, fragen, ob wir helfen können, wenn wir meinen, sie mag das hören, sind sensibel, spüren, was sie braucht. Eventuell bringt ihr gar ein “Es kann schon echt anstrengend sein mit so einem Kleinkind! Ich kenne das selbst…“ mehr, als ein „Man darf Kinder nicht hauen, ist Ihnen schon klar?“ Mehr ihr und so auch dem Kind. Leider wollen wir allzu oft lediglich unsere Moralvorstellung, unser Unwohlsein los werden und adressieren, statt WIRKLICH zu helfen. Helfen bedeutet geben, was gebraucht wird. Voraussetzung zunächst, sich von Emotionalitäten zu befreien. Dann erst handeln. Wertfrei. Für den anderen. nicht uns. Betroffenheit hilft niemandem. Außer unserem eigenen Ego und ist somit für mich ein ziemlich schäbiger Motor für welche Reaktion auch immer. Ich kenn’ das gut bei mir selbst und schäme mich dafür.

Ich will solche Taten nicht banalisieren. Im Gegenteil. Ich verabscheue Gewalt. Gegen Schwache einmal mehr. Aber sollten wir nicht genau, wie wir es im Miteinander mit unseren Kindern versuchen, wegkommen davon, Taten mit dem Menschen dahinter zu einem zu vermischen?

Und ja, das gilt dann ebenso in der durchaus vergleichbaren Situation mit aggressivem Mann und seiner Partnerin bspw., die wir bei einem handfesten Streit auf offener Straße beobachten. Es ist ein wenig, wie mit streitenden Geschwistern. Auch wenn einer tut, und dem anderen geschieht- es sind beide Opfer. Es geht um Schutz und Hilfe, nicht Verurteilung und Schuld.
Und nein, das ist kein „Victim-Blaming“!

Um die mir gern auf diese, oft als sehr radikal empfundene Darlegung, gestellte Frage vorweg zu nehmen, ja- ich sehe es ähnlich bei all den noch dramatischeren Fällen von Missbrauch bspw.. Hier ist es für mich immer und umgehend unabdingbar, das Opfer und auch potentielle weitere, zu schützen. Selbstverständlich! Täter gehören in Sicherheitsverwahrung und Behandlung. Ohne Frage. Die Motivation hier wäre mir aber auch der Schutz der anderen und nicht der Täter Strafe. Bestraft für was? Dass jemand gab, was er erhielt, statt zu geben, was er nicht hatte? Was ihm nicht gegeben wurde, obwohl es ihm zustand. Mir fällt es schwer, zu begreifen, warum der kleine Mensch, dem damals in seiner eigenen Not nicht geholfen wurde, dem offensichtlich nicht ausreichend Möglichkeiten gegeben wurden, um eine gute Resilienz auszubilden, warum er nun, wo er gross ist, UNVERSCHULDET, weiterhin Opfer und ja, auch zeitgleich Täter ist, bestraft und gehasst wird. Gehasst, ohne jemals selbst geliebt worden zu sein. Heute tut uns das Kind leid, morgen, wenn es dann ist, was es DESWEGEN wurde, weswegen es uns leid tat, dann widert es uns an? Das ist für mich nicht richtig.

Eine traumatische Vergangenheit entschuldigt nicht, sondern erklärt Folgeverhalten. Sie ist durchaus auch Rechtfertigung. Nicht für die Tat an sich, aber doch dafür, diesen Menschen eben dennoch anzuerkennen. Als Menschen, dessen Würde noch immer unantastbar ist.

Wie gesagt, ich fühle in all diesen Fällen auch oft Rache- und Vergeltungswunsch. Ich will nicht wissen, wenn es um meine Kinder ginge, wie frei davon ich wäre- unbetroffen ist’s leicht zu sprechen- klar. Dennoch spüre ich aber ebenso Empathie für einen Menschen, dem so unfassbares zugestoßen sein muss, dass er, der auch mal ein unschuldiges, zartes, duftendes Baby war, einem anderen so derart böses antut. Es ist immer noch der gleiche Mensch. Weiterhin das kleine Kind, welches nur nach Liebe bettelt. Nun die falsche Sprache spricht und dafür bestraft wird. “Todesstrafe, Geschlechtteil ab”- Standardsätze stets bei solchen Themen. Wozu? Schützen kann man anders. Strafe dient bloß den ach so guten anderen Menschen. Uns. Niederträchtigste Vergeltungsgelüste. Wer ist hier primitiv und böse?

Diesen Kreislauf können wir nur durchbrechen, in dem wir lieben.
Die, die wir in der Lage sind dazu.
Lieben ohne Punkt und Komma.
Liebe geben ohne Ende, der Welt und jedem einzelnen Menschen darauf.

Um abschließend zurück zum Ausgangsthema zu kommen: Auch der Frau Liebe geben, welche wir dabei beobachten, wie sie ihr Kind ruppig am Arm oder gar noch gewaltvoller behandelt. Ohne Wertschätzung zu empfangen, wird sie ihrem Kind nicht wertschätzend begegnen können. Auch diese Mutter ist von einzigartigem Wert- schätzen wir ihn, in genau dieser Situation! Nicht, dass ich das genau so immer könnte oder sogar täte, aber ich wünsche mir es zu tun.

Unbequemer Text, leicht und bewusst von mir überzeichnet, dennoch meine ehrliche Meinung.

Ich möchte hier niemandem auf die Füße treten, es ist mir aus verschiedensten Gründen ein großes, persönliches Anliegen, ALL diese Gedanken dazu niederzuschreiben.

Ich wäre sehr dankbar für Eure.
Ich möchte kein Bashing gegen gewalttätige Eltern.
Lasst uns in Lösungen denken!

Alles Liebe,

Olivia

6 Kommentare

  1. Liebe Olivia. Ich bin tief berührt und stimme dir in so vielem zu… Ich habe erst zu Weihnachten mit meinem Schwiegervater (der selbst Gewalt als Kind erlebt hat und seinen Söhne ein wundervoller Vater ist) eine Diskussion über misshandelte Kinder und Täter geführt… Er vermittelte wenig bis kein Verständnis für gewalttätige Taten die v.a Kinder betreffen. Ich sagt ihm, dass ich DIE Tat nicht gut heißen/abmildern/rechtfertigen will, dass ich mich trotzdem frage was diesen Menschen widerfahren ist, anderen schwächeren Lebewesen/Menschen Gewalt anzutun. Jeder trägt sein inneres Kind in sich und ich bin zutiefst traurig über das Leid das viel zu viele erfahren haben und immer noch müssen. Ja Empathie ist wichtig – für jeden – und manchmal sauschwer… Ich versuche danach zu handeln. Danke für deinen Artikel Olivia. Ich finde keine weitere Worte ❤️

  2. Tina sagt

    Puh, äußerst schwieriges Thema. Direkt nach dem Lesen habe ich eher Fragen, als wirklich klar sagen zu können wie ich dazu stehe.
    Nehmen wir an, diese „Gewaltsituation“ besteht innerhalb der Familie. Also Mama sieht wie Papa das Kind rabiat anpackt oder aber auch seelisch „verletzt“… Ich denke viele Partner sehen dann, aus Gründen der „gemeinschaftlichkeit“ weg, weil er/sie kann dem Partner ja nicht vor dem Kind in den Rücken fallen.
    Also eigentlich natürlich „falsch“ aber ich stelle es mir unheimlich schwierig vor.
    Grüße Tina

  3. Tina sagt

    Instagram möchte meinen Kommentar nicht posten, deswegen lasse ich es hier fließen…

    Uff. Ein langer, wichtiger Artikel. Und ich mag dazu zweierlei sagen:

    Zum einen war ich in einer „dieser“ Situationen, als ich noch nicht Mama war. Neben uns zog eine Mutter mit ihrer (schätzungsweise) 3jährigen Tochter ein und eben diese schrie gefühlt den ganzen Tag. Aber nicht nur einfach aus vollem Hals, sondern „Mama“, „Nein“, „Nicht machen“, usw. – ich habe mich mit einer Freundin beraten und mir eines Tages ein Herz gefasst: Ich habe sie im Hausflur begrüßt und gefragt, ob sie vielleicht Hilfe benötigt. Ich habe direkt angefügt, dass ich keinesfalls anmaßend sein möchte, aber das Gefühl habe, sie könne mal jemanden zum Reden gebrauchen.
    In dem Moment wurde mir klar, dass mir unfassbar unangenehm war sie anzusprechen, weil ich tatsächlich Angst vor ihrer Reaktion hatte – pöbelt sie mich vll an oder sagt, dass mich das nichts anginge, … aber: nichts dergleichen. Sie erzählte mir, dass sie vor wenigen Wochen den Kindesvater verlassen hatte, weil dieser gewalttätig geworden war. Ihre Tochter wisse das nicht, verlangt ständig nach ihm und möchte deswegen gefühlt nichts von dem machen, was Mama gern hätte.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ansprechen kann helfen. Aber ich verstehe das Problem, es nicht zu tun… Ich glaube, es braucht öfter einen Augenöffner wie dich, liebe Olivia, der den Schutz der Kinder einmal mehr betont. Und ja, wenn Frauen in solchen Situationen stecken würden, würden wir anders handeln. (also ich, wenn ich ehrlich zu mir bin, ertappe mich bei dem Gedankenspiel selbst)

    Zum anderen habe ich viele Kinder und ihre Mütter im Rahmen meiner Arbeit mit Alleinerziehenden gesehen, die unter Druck (seitens Familie, Freunden, Ämtern) und völlig überfordert vor mir saßen. Oberstes Gebot in unserer Einrichtung war (und ist noch), die Eltern zu stärken und vor allem anzuerkennen, dass sie den Weg gegangen und Hilfe gesucht haben. Ohne „ja, aber recht spät“ oder ähnliches. Allerdings – und das ist bedingt durch das System – mit viel zu viel „wenn…dann…“ Drohungen, das Kind könne einem entzogen werden, sind nicht unbedingt förderlich, sein Verhalten zu ändern. Das habe ich in den letzten Monaten noch besser verstanden als vorher. Und (auch) dafür gilt dir ein Dankeschön.

    Liebste Grüße
    Tina
    (nonamed__girl)

  4. Anonymous sagt

    Das frage ich mich öfter, WAS ich tun/sagen kann wenn ich so eine Situation sehe oder erlebe.
    Bei Fremden, bei Freunden, in der Familie….auch im Bezug auf die Kinder, ein fremdes Kind, ein befreundetes Kind und mein eigenes Kind.

    Ich bin selbst Opfer in verschieder Sicht. Als Kind, als Erwachsene Frau, als Mama.
    Daher fällt mir Empathie den Tätern gegenüber schwer, aus Selbstschutz würde ich sagen.
    Für die Erwachsenen Täter kann ich deren Vergangenheit Empahtie versuchen aufzubringen, aber als Erwachsener gewalttätig /respektlos/würdelos zu handeln eher weniger.

    Ich möchte mutiger werden, durch deine Worte denke ich nach und kann für solche Situationen, für MICH, mitnehmen WIE ich etwas sagen kann.

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