Bedürfnisorientiert, Eltern, Familie, Gleichwürdig, Kinder, Unerzogen
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„Erziehung ist Gewalt“ klingt hart für Dich? Für mich auch- knallhart! (Aber wahr…)

Ihr Lieben,

Seit einigen Tagen diskutiert Ihr auf meiner Seite über die Thematik,  ob es richtig oder vollkommen übertrieben sei, Erziehung als Gewalt zu benennen.
All die gegensätzlichen, teilweise entrüsteten Meinungen dazu sind mir absolut nachvollziehbar- klingt ja auch erstmal ziemlich hart.
Für mich ganz genauso, ist es das nämlich auch!
Und zwar knallhart!
Daher hier anbei mein nochmaliger Erklärungsversuch aus dem Kommentarstrang auf Facebook zu meinem letzten Artikel heraus kopiert. (Orthographie sollte da bitte freundlicherweise keine Beachtung finden, hatte ich das am Handy getippt…)
Ich hoffe es hilft zu verstehen, was genau damit gemeint ist- falls nicht bitte gerne einfach fragen!
Ich bemühe mich wirklich sehr, meine Gedanken nachvollziehbar zu machen- ist nicht immer einfach…
Es geht dabei mitnichten darum Erziehende als Gewalttäter zu verurteilen und auch nicht darum „Nichterziehende“, (Unerzogene) als die allwissenden Supereltern hinzustellen.
Besser/Schlechter könnt Ihr machen- nur bitte nicht hier!
Hier geht es dabei wie immer nur darum, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen, und zu schauen, ob ich mir etwas für mich mitnehmen kann und mag- nicht mehr aber auch nicht weniger.
Bitte verurteilt Euch nicht gegenseitig- das möchte ich auf meinen Seiten nicht!
Wir geben alle unser Bestes und das ist von Jedem erstmal grundsätzlich wertzuschätzen!
Dankeschön,

Olivia*

(Die Original-Diskussion auf Facebook findet Ihr hier“ )

@Alle zum Thema Erziehung ist Gewalt:

Das kann man total losgelöst von Unerzogen, komplett sachlich herleiten und ist im Grunde sogar recht plausibel.

Die allgemeine Definition von Erziehung lautet: „Unter Erziehung versteht man die pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhalten Heranwachsender. Dabei beinhaltet der Begriff sowohl den Prozeß als auch das Resultat dieser Einflussnahme.“[1] Der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Brezinka definiert Erziehung als „Handlungen […], durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Bestandteile zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten.“ (Wikipedia, aber auch ähnlich überall anders in den Standard Quellen)

Genau dieses Formen von Aussen, anhand meiner Machtposition, die mir als Erwachsener (Mama/Papa) eben innewohnt bezeichnet Unerzogen als Gewalt. Das ist zutreffend, denn wenn man sich die Definition zu Gewalt anschaut, bestätigt diese ganz explizit auch das.

„Als Gewalt (von althochdeutsch waltan „stark sein, beherrschen“) werden Handlungen, Vorgänge und soziale Zusammenhänge bezeichnet, in denen oder durch die auf Menschen, Tiere oder Gegenstände beeinflussend, verändernd oder schädigend eingewirkt wird. Gemeint ist das Vermögen zur Durchführung einer Handlung, die den inneren oder wesentlichen Kern einer Angelegenheit oder Struktur (be)trifft.“

Bedeutet also->Handlungen und Vörgänge, durch die verändernd/beeinflußend auf Menschen eingewirkt wird, möglich durch meine elterliche Machtposition- passt schon, nicht wahr? Nichts anderes ist Erziehung im klassischen Sinn!

Es ist total logisch, dass man es sich so klar nicht gerne auslegt, da wir dann ja zugeben müssten, dass wir alle eine Form von Gewalt auf unsere Kinder ausüben oder ausgeübt haben. Fühlt sich kacke an- ich weiß! Geht mir ganz genauso.

Ändert aber halt nichts an der Tatsache. Zudem ist Gewalt ja eben nicht nur körperlich oder offensichtlich psychisch schädigend.

Diese Schlussfolgerung ist zwar unbequem aber meiner Meinung nach doch sehr logisch zu ende gedacht, und daher selbst ohne Unerzogen nachvollziehbar.

Das Problem sehe ich vielmehr in der nicht korrekten Definition von Gewalt und auch Erziehung- es geht nicht darum, was ich oder Du unter Gewalt oder Erziehung verstehen. Wir benutzen in diesem Fall Worte, die ganz klare, festgelegte Bedeutungen haben. Gewalt beginnt nicht erst beim Klaps auf den Po und Erziehung bedeutet nicht ’nur‘ liebevoll begleiten und „das Beste wollen“.

Klar legen wir uns Begriffe gern unterschiedlich aus, aber um in einen konstruktiven Dialog miteinander zu gehen, ist es meiner Meinung nach sinnvoll, sich auf eine, am einfachsten eben die standardisierte, allgemeingültige Definition zu einigen- ansonsten wird es schwierig, wenn jeder seine zwar verständlichen aber doch emotionalen und somit extrem subjektiven Assoziationen hinzufügt…

Gerade bei so vielen Leuten!

So können wir dann nur aneinander vorbeireden, was super schade ist.

Unabhängig davon stimme ich aber unbedingt zu, dass diese Gewalt-Bezeichnung in Bezug auf Erziehung nicht immer und unbedingt hilfreich, geschweige denn Türöffner für ein Gespräch ist, da sie nur allzu schnell als Angriff empfunden werden kann und oft auch meinem Empfinden nach, genau so und durchaus herablassend gemeint ist.

Mir stellt sich da immer die Frage nach der Intention. Was möchte ich in einem Gespräch bezwecken, wenn ich Jemandem, der sein Kind offensichtlich und voller Überzeugung nach bestem Wissen und Gewissen erzieht, mit dieser Unerzogen-Phrase komme? Warum drücke ich mich nicht sanft aus und sage so etwas wie „ICH persönlich empfinde Erziehung im herkömmlichen Sinn als übergriffig und unfair.“ z.Bsp..

Mit dem scharfen Wort „Gewalt“ ballere ich meinem Gegenüber doch ganz bewußt vor den Kopf, dass er seinem Kind gegenüber gewalttätig ist. Falsch, gar kriminell ist. Da bleibt einem ja unweigerlich erstmal nur die Defensive. Und als sehr deutlichen Beigeschmack gebe ich gleich noch ein überhebliches, wenn auch unterschwelliges „Ich mache es da viel besser als Du!“ mit. Bewusst oder unbewusst- das ist es, was ankommt.

Und nun? Genau! Also könnten wir das bitte lassen?

Ja, Erziehung ist auch meiner Ansicht nach eine Form der Gewalt, nur liegt dabei keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben vor, die meinerseits ein Einsetzen von Gegengewalt rechtfertigen würde. Nichts Anderes ist es für mein Empfinden aber, diese Aussage derart vor den Latz gedonnert zu bekommen.

Ein Versuch das Gegenüber durch dieses provozierende Wort zu überzeugen oder zumindest zu beeindrucken- das ist Erziehung! Und wie war es doch gleich? Erziehung ist? (…)

Habe ich selber viel zu oft und natürlich vergeblich versucht…

Allerdings: Ein Verschleiern oder Schönreden von Tatsachen ist auch nicht unbedingt zielführend- wobei da Jeder für sich selbst schauen muss, was dabei sein Ziel ist. Ob er überhaupt eines verfolgt.

Mir geht es grade allerdings wirklich lediglich darum, den meiner Meinung nach sehr wohl vorhandenen Zusammenhang von Gewalt und Erziehung zu erläutern.

Ich verstehe sehr gut, dass man sich weigert eine diesbezügliche Verbindung herstellen zu wollen. Da ich selber diese aber wie gesagt deutlich sehe, führte das für mich zu der Konsequenz auf Erziehung, wie sie allgemein verstanden wird zu verzichten. Einfach weil ich gegen Gewalt in all ihren Formen und Ausblühungen bin.

Meine ganz persönliche Entscheidung!

GLG,

O*

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