Babys/Kleinkinder, Bedürfnisorientiert, Bindungsorientiert, Eltern, Familie, Geschwister, Gleichwürdig, Kinder, Mehrkindfamilie, Schulkinder, Unerzogen
Schreibe einen Kommentar

Du willst los, Dein Kind aber noch rutschen? (Oder auch „Hilfe, mein Kind hört nicht!“)

Dies hier war mein gestriger INSTAGRAMPOST (also relativ komprimiert, runtergebrochen auf das wesentliche und ohne Kapazität auf Ausdruck und Co zu achten- die Kritik darf sich also gespart werden 😉
Er ist mir inhaltlich dennoch zu schade, als dass ich ihn dort „untergehen“ lassen mag, und ich poste ihn daher direkt hier am Blog nochmal:

„ABER OLIVIA,

wenn es nun mal manchmal WIRKLICH nicht anders geht,

WAS MACHST DU DANN?“

Man meint förmlich die Bitte nach

Gewaltlegitimierung raus zu hören.

Vielleicht wünschte sich manch einer insgeheim eine Antwort, wie:

„Och, wenn es WIRKLICH nicht geht, dann packe ich halt mein Kind, verfrachte es in den Buggy, und wir verlassen den Spieli- da muss es durch!“

Es tut mir leid #sorrynotsorry , die Antwort kann ich so nicht geben.

Alternative Handlungmöglichkeiten werde ich gern in einem separaten Post aufzeigen.

#rahmensprengung

Heute geht es mir um etwas anderes.

Standardsituation- Du musst los, Dein Kind will noch auf dem Spielplatz bleiben, was tun?

Ich bekomme diese Frage so oder so ähnlich täglich gestellt.

Was mir immer wieder auffällt, dass es dabei meistens, beinahe nie um das Kind geht.

Hauptaugenmerk liegt immer auf dem Problem, was das Verhalten des „störrischen Kindes“ verursacht.

Intention der Eltern, die sie auch konkret in ihrer Frage formulieren:

„Wie schaffe ich es, dass mein Kind mit kommt, ohne Gewalt anzuwenden?“

Ich übersetze es mal etwas klarer, damit deutlich wird, worauf ich hinaus möchte.

Die Frage ist: „Wie schaffe ich, dass mein Kind macht, was ich will, ohne Gewalt anzuwenden?“

Puh… Und DESWEGEN haben wir ‚Nichterzieher‘ hier ein Problem. Wir werden sehr deutlich darauf gestoßen, dass wir nämlich sehr wohl doch erziehen.🙈

Auch wenn es hinter wichtigen Argumenten versteckt wird:

„Der kleine Bruder braucht ja nun mal Ruhe und MUSS nach Hause!“

„Den Zahnarztermin KANN ich nicht verschieben.“

Etc.

Am Ende geht es darum, dass Dein Kind tun soll, was Du möchtest. Möglichst SOFORT!

Warum sollte es das aber tun?

Es gäbe da 3 mögliche Motive:

  1. Es hat Angst vor etwaigen Konsequenzen, und sei es nur die drohende schlechte Stimmung oder Genervtheit der Mutter.
  2. Es ist emphatisch, fühlt sich ein und stellt aus Rücksicht sein eigenes Bedürfnis hintenan.
  3. Es ist mit Dir in einer engen Beziehung, in der es sich GRUNDSÄTZLICH gewertschätzt fühlt, sein Bedürfnis nach Integrität, Autonomie ist vollkommen gesättigt, und es hat daher von Natur aus, keinen Grund, sich mit Dir „anzulegen“ #energieverschwendung

  1. Wollen wir nicht
  2. Fällt mal bis mindestens 4J., gerne auch bis 6J. oder noch länger aus entwicklungspsychologischen Gründen weg!

Bleibt nur 3.

Und dort würde ich ansetzen.

Einladen wollen hinzusehen.

Überprüfe die Beziehung zu Deinem Kind.

Es geht nicht darum, ob das Kind heute schon bei der Schuhauswahl mitreden DURFTE und Du Dich auch bei gefühlt 20 anderen Dingen nach ihm gerichtet hast.

Es geht darum, ob Ihr wirklich in Verbindung miteinander seid. Wertschätzend.

Gleichwertig. Einander sehen könnt. Seht!

Denn es ist eine Tatsache, dass Kinder mit uns kooperieren MÖCHTEN. Selbst die kleinen „wollen“ keinen UNNÖTIGEN Stress.

Vorausgesetzt es gibt auch keinen Grund für sie, diesen in Kauf zu nehmen. Kein existentiell empfundenes, aber unerfülltes Bedürfnis, was sie daran hindert entspannt zu sein. Es Ihnen quasi unmöglich macht, ihren aktuellen Wunsch loslassen zu können. Würde ein Kind nämlich nun dennoch kooperieren, geriete es emotional in ein Ungleichgewicht. Es würde sich dadurch also  bedürfnistechnisch in eine Notsituation begegeben- also im Grunde prima, dass es versucht sein Wohl zu sichern!

Das heisst nicht, dass ein Kind, das sich grundsätzlich seiner Integrität sicher ist, beim ersten Bitten aufspringt und lächelnd hinter Dir her trottet. Es bedeutet aber sehr wohl dass ein Kind, welches sicher ist, dass es gesehen wird, dass seine Stimme grundsätzlich zählt, dass dieses Kind keinen 20 minütigen Überlebenskampf mit Dir beginnen wird, nur um sich sein Bedürfnis nach Spielen oder eben bei genanntem Beispiel oft auch schlicht Selbstbestimmung beispielsweise, zu erfüllen.

Gerade, wenn es so ist, wie mir oft berichtet wird, dass es „JEDES Mal ein Riesen Theater“ ist, lohnt es sich da mal genau hinzu sehen.

Eventuell sollte Deine Frage nicht sein „Wie schaffe ich es, dass mein Kind folgt?“ sondern eher „Woran liegt es, dass mein Kind nicht auf mich reagiert, (scheinbar) nicht kooperieren will. Kann?“

Vorweg, miteinander kooperieren zu können, setzt voraus, dass es ein GEMEINSAMES Ziel gibt. Bedeutet Dein Kind kann nicht mit Dir kooperieren, wenn Du ein Ziel vorgibst, dem es selbst aber nix abgewinnen kann.

Kooperation ist zweckgebunden, sieht das Kind keinen Zeck, dann wird es nicht kooperieren. (KÖNNEN) Warum auch? Empathie wissen wir ja, ist erstmal noch nicht…

Einen Zweck für das Kind zu schaffen, ist für mich in dem Fall keine Manipulation sondern einfach fair! Wenn Du diesen Zweck nun als Bestechungsmittel einsetzt, dann hast Du mich falsch verstanden. Aber solange ein Kind zu klein ist, um dem Wohl anderer zu liebe agieren zu können, braucht es Unterstützung, um mit uns zusammen ‚arbeiten‘ zu können.

Außerdem solltest Du Dir auch darüber im klaren sein, dass ein 3 Jähriger anders kooperiert, als man es von einer 6 Jährigen meinen könnte… Ein „Ok, Mama, ich rutsch aber noch 20x!“ ist ganz wunderbar kooperativ aus dem Mund eines 4 Jährigen!

Wir übersehen übrigens viel zu oft sämtliche Kooperationsversuche unsere Kinder fast automatisch. Um nicht zu sagen eigentlich ständig. Alles, was sie „toll“ machen nehmen wir gern als selbstverständlich, dabei ist vieles davon gelebte Kooperation.

„Ahhh“ machen beim Zähneputzen, damit wir an die Beißerchen überhaupt ran kommen- sehr kooperationsbereit! Siehst Du das? Nimmst es wahr? Wertschätzend? Wir hatten es grade- heißt nicht, wie blöd loben, aber HINSEHEN!

Und wehe, das Kind mag mal was nicht, DAS sehen wir sofort.
GANZ GENAU!

Warum sollte es denn aber auf dem Spielplatz nun mit Dir zusammen an einem Strang ziehen, wenn Du es sonst auch nie siehst. All seine Bemühungen nie oder selten gewertschätzt werden. Woher soll die Motivation denn bitte kommen?
WARUM SOLLTE DAS KIND GEHORCHEN?

Ich mache immer wieder die Erfahrung, je weniger meine Kinder kooperieren MÜSSEN, nämlich weil ich ihnen ein gutes Vorbild bin und so oft es geht MEINE Kooperationsbereitschaft anbiete, das auch signalisiere, verbalisiere, damit sie die Geste auch wahrnehmen und geniessen können, desto weniger Probleme haben die Kinder, wenn es denn doch mal sein „muss“ in „meine Richtung“ zu laufen.

Um ehrlich zu sein, habe ich es noch nie erlebt, dass kooperationstechnisch meinerseits alles bestens lief, ich meine Kinder wirklich achtsam behandelt habe, ihnen ihr selbstbestimmtes tun und lassen zugestanden hab, (Und zwar grundsätzlich, nicht mal kurz am Vormittag, weil es da eh grad gut passte…) und wir dann dennoch in einen Kampf geraten sind.

Mangelnde Kooperationsbereitschaft bei meinen Kindern ist für mich ganz oft Spiegel für unsere aktuelle Beziehungsqualität.

Und ja, zur Beruhigung, bevor wir unseren Flieger verpassen, weil mein Sohn sich nicht von den Gepäckwagen lösen kann, würde ich ihn durchaus hochnehmen, gehen, und seinen berechtigten Ärger und Frust dabei begleiten.

ABER, normalerweise sehe ich zu, dass natürlich möglichst regulär aber gerade vor „brenzligen „ Situationen, wie Reisen, Spielpaltzbesuchen in Kombi mit dringende Anschluss-Terminen (Wenn man dann überhaupt auf den Spieli muss vorher…) die „Stimmung“, unsere Beziehung tippitoppi ist. Denn dann, das sage ich wirklich ernst gemeint, kommt es hier nicht vor, dass eines meiner Kinder sich nicht innerhalb von 5 Minuten mit mir hat „einigen“ können.

Klingt jetzt ungemütlich, aber wenn die Beziehung stimmt, läuft es (meistens) echt ganz gut.

Will sagen, in guten Beziehungen gibt es ziemlich wenig Stress!

Nicht, dass es keine Meinungsverschiedenheiten gäbe, nur werden diese dann (meist) bevor sie zum Kampf ausarten könnten, miteinander konstruktiv geklärt.

Kampf ist nur nötig, wo sich Jemand wirklich benachteiligt fühlt.

Da ist es unser Aufgabe, die Qualität der Beziehung zu sichern. Dafür zu sorgen, dass unser Kind sich wohl fühlt.

Dafür sind wir ganz allein Verantwortlich!

Wenn wir mit den Kindern gleichwertig leben, dann ist vor allem wichtig, dass sie das auch spüren.

Denn:

Wenn ich weiß, ich bin genauso viel wert, wie mein Gegenüber, habe ich vielleicht dennoch sicher mal einen schlechten Tag, aber es wird ganz bestimmt nicht „jedesmal Theater“ geben, nur weil mein Wunsch mal nicht erhört werden kann.

WARUM AUCH?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

14 + vierzehn =