Bedürfnisorientiert, Eltern, Familie, Gleichwürdig, Kinder, Unerzogen
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Alleine machen!

Keine Hand frei? Kein Bock zu lesen?
Easy- Ich lese Dir gern vor!


Manchmal braucht es eine extra Portion Geduld, unsere Kinder soviel wie möglich allein machen zu lassen, was sie (zu recht!) allein machen wollen, und ihnen damit zu ermöglichen sich ihr so wichtiges Bedürfnis nach Autonomie zu befriedigen.

Natürlich gibt es Dinge, bei denen unmittelbare Gefahr droht- ein 3 jähriger muss vielleicht nicht unbedingt mit dem großen Brotmesser allein Brötchen aufschneiden- klar!
Davon abgesehen, ist es aber doch schon oft so, dass wir vieles einfach aus Bequemlichkeit lieber selber machen. Manchmal unter der Vorgabe, dem Kind helfen zu wollen, aber meistens geht es auf die Weise für uns eben schneller, ist eventuell mit weniger Schmutz verbunden und vor allem ist das Ergebnis am Ende dann auch genau so, wie wir es für richtig halten.
Kennen wir alle, oder? Wir handeln übergriffig, weil wir es einfacher haben wollen.
Nur- ist es wirklich fair dabei so sehr auf uns zu achten? Und, wie geht es unserem Kind dabei?

Ich glaube, dass eines der schönsten Geschenke, welches wir unseren Kindern machen können ist, ihnen ganz viel zuzutrauen. Sie machen zu lassen.

Klingt banal, ist aber letzten Endes doch ein mehrmals am Tag achtlos dahingesagter Satz, der unserem Kind ein Gefühl dafür gibt, wie wir es (auch) sehen- hilflos und unfähig: „Nee, lass mal, Schatz- ich mach das fix!“. Doch was macht es mit meinem Kind, von dem ich mir so sehr wünsche, dass es selbstbewusst und mutig durchs Leben marschiert?

Jedesmal, wenn es sich voller Selbstvertrauen an eine Aufgabe machen möchte, von der ich meine, sie aus was für Gründen auch immer, übernehmen zu müssen, stelle ich seine Fähigkeit und seine Selbsteinschätzung in Frage. Mein Kind ist der festen Überzeugung „Yeah- ich kann das!“ und statt Bestätigung (oder auch gewünschte (!) Unterstützung) bekommt es von uns immer wieder einen ordentlichen Dämpfer à la „Nee, kannst Du gar nicht!“ oder zumindest ein „Ja, vielleicht, aber ich kann es besser, und deshalb mache ich das schnell!“. Das ist übergriffig und für mein Empfinden durchaus respektlos.
Man stelle sich das mal unter Erwachsenen vor- Du bist grade dabei etwas zu reparieren (Sorry, blödes Gender-Geschwätz, dient lediglich der Anschaulichkeit!), Dein Partner nimmt Dir die Sachen aus der Hand und sagt sowas wie „Süße, lass mich mal machen!“ Deine erste Reaktion wäre sicher ein verärgertes :“Ey, was soll das- denkst Du ich bin blöd?“
Eventuell meinte er es tatsächlich wohlwollend, weil er es womöglich schon mehrfach gemacht hat und Dir helfen wollte. Trotzdem hat es etwas von Bevormundung und kommt beim Anderen geringschätzig an, oder?
Unsere Kinder fühlen sich ganz genauso!
Natürlich meinen wir es nicht böse, und natürlich haben wir es manchmal eilig- aber seien wir ehrlich, in wievielen Situationen sind wir einfach nur zu faul? Haben keine Lust zu warten oder eventuell verschüttete Lebensmittel wegzuputzen.

Mir hilft es da, zwischendurch die Dinge ins Verhältnis zu setzen, mich immer wieder zu fragen, was ist denn schon ein umgekipptes Glas Orangensaft gegen ein Kind, dass voller Selbstvertrauen Dinge eigenständig in Angriff nimmt.
Was bedeuten am Ende die 10 Minuten Verspätung beim Zahnarzt, wieviel dagegen das stolze Gesicht meines Kindes, das gestärkt durch mein Zutrauen seine Schuhe in Ruhe alleine fertig binden konnte?

Neulich haben wir hier über das komplexe Thema Entwicklungspsychologie gesprochen- super wichtig! Doch ganz genauso wichtig sind auch unbedingt all die kleinen Achtsamkeiten, mit denen wir unsere Kinder ganz wunderbar auf ihrem Weg unterstützen können.
Und es sind ebenso die sich wiederholenden kleinen Unachtsamkeiten, die sie klein halten.
Unbewusst aber dennoch!

Ich habe heute dieses kleine Gedicht (auf dem Foto oben, oder auch hier unten nochmal als Text) geschrieben- vor allem für meinen Kanee (1,5) und Bobby (4), werde es mir die Tage ausdrucken und gut sichtbar in die Küche hängen- als Reiminder zu mehr Achtsamkeit auch diesbezüglich, besonders auch den beiden Kleinen gegenüber!

Ich wünsche Euch und mir ganz viel Gelassenheit!

Wen das Thema Achtsame Kommunikation mit Kindern in der Tiefe interessiert interessiert, dem empfehle ich dieses Buch:

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(Darin stehen unabhängig dazu Unmengen von klassischen Erziehungstips- die dürft Ihr, wenn es nach mir geht, bitte ignorieren!)

Und, wie seht Ihr das mit dem „Alleine-Machen-Wollen-und-auch-Dürfen“?

Olivia*

„Alleiiiiineee!!“
Fußaufstampfen.
Schnauben.

„Ja! Mach nur, mein Kind!
Ich schau‘ von hier aus zu und staune.

Ja! Geh‘ nur- trau‘ Dich!
Du MACHST es allein, BIST es aber nicht.

Ich bin da. Ich sehe Dich.
Ich schau‘ nur zu und staune.

Ich helfe Dir bei Allem und bei nichts,
so wie Du es gerade willst.
Wie Du es brauchst.

Doch DA bin ich immer.

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